Am 29. Januar 2026 besuchte die Jahrgangsstufe Q1 mit ihren Fachlehrkräften die Aufführung des Lustspiels „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist am Horizont-Theater Köln. Es folgt eine Theaterkritik von Lina Jaouani und Aneke Steyer aus dem Grundkurs Deutsch 2 von Herrn Klemm.
Die Inszenierung überzeugt von Beginn an mit einer besonders gelungen eingefügten Vorgeschichte, die erklärt, was überhaupt zwischen Adam und Eve vorgefallen ist. Dadurch werden die Figuren greifbarer und ihre Beziehung nachvollziehbarer, auch wenn zwischen ihnen spürbare Unsicherheit herrscht.



Spannung entsteht vor allem durch die Art des Erzählens. Das Publikum wird immer wieder direkt einbezogen, vor allem durch Blickkontakt der Schauspieler. Dieses Durchbrechen der vierten Wand verstärkt die Wirkung und sorgt dafür, dass man sich als Zuschauer angesprochen fühlt.
Die Darstellung Adams ist stark übertrieben und wirkt oft bewusst lächerlich. Seine Lügen, das nervöse Hin- und Herlaufen sowie der Versuch, das Publikum von sich zu überzeugen, unterstreichen seine offensichtlich fehlende Eignung als Richter. Besonders komisch wirken die Momente, in denen er während Umbauten einfach auf der Bühne sitzen bleibt und scheinbar nichts tut. Dadurch wird seine „selbstverständliche“ Machtposition unterstrichen.
Auch die Figurenkonstellation wird interessant gelöst: Mit wenigen Schauspielern werden Szenen verändert oder zusammengelegt, beispielsweise die Szene zwischen Ruprecht und Frau Marthe, in der es um den Krug und die Hochzeit geht, die hier allein gestaltet wird. Dadurch entsteht ein neuer Fokus auf die wesentlichen Konflikte. Auffällig ist außerdem, dass Frau Marthe gegenüber Adam weniger provokant auftritt als in anderen Inszenierungen. Eve hingegen bleibt ruhig. Sie „muss“ nicht übermäßig gespielt werden, da ihre Rolle gerade durch Zurückhaltung wirkt.




Die Nähe zwischen den Figuren wird in passenden Momenten eingesetzt und verstärkt emotionale Situationen. Gleichzeitig wird die Handlung in alle Richtungen der Bühne gespielt, wodurch der Raum gut genutzt wird. Insgesamt setzt die Inszenierung stark auf Komik. Die abgewiesene Klage und der letztendliche Freispruch aus Mangel an Beweisen werden humorvoll dargestellt, ohne die Kritik an Adam als ungeeignetem Richter zu verlieren. Der Fokus liegt deutlich auf seiner Bloßstellung und der absurden Gerichtssituation.
Zusammenfassend handelt es sich um eine moderne, reduzierte und humorvolle Interpretation, die mit einfachen Mitteln, wenigen Schauspielern und Kreativität eine eigene, überzeugende Wirkung entfaltet.
„Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist
Regie: Christa Nachs, Dramaturgie: Kristina Kühne, Bühnenbild: Yara Blank, Kostüme: Petra Berenfänger
Schauspieler: Leonie Gareis , Egmont Stawinoga, Verena Leenders, Pascal Scurk.
Fotos: Renato Martins / Horizont Theater