Was ist in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs 1945 passiert? Warum forderte der Krieg selbst kurz vor seinem Ende noch so viele Leben? Und viel wichtiger: Was kann man tun, damit sich das Ganze auf keinen Fall jemals wiederholt? Solche Fragen sind für uns Jugendliche heute schwer zu beantworten. Wir haben nichts mehr von den Schrecken des Nationalsozialismus direkt miterlebt und haben das Glück, hier in Deutschland in Frieden aufwachsen zu können. Also ist die Zeit damals einfach nur ein verstaubtes Geschichtsthema, von dem man sich einfach nicht trennen kann, bestenfalls noch eine spannende Geschichte von den Groß- oder Urgroßeltern, oder? Doch genau so sollte man nicht denken. Das Thema darf nicht in Vergessenheit geraten, denn nur so können wir aus Fehlern lernen. Doch das scheint schwierig in einer Zeit, in der immer mehr Hass und Anfeindung herrschen und radikale Parteien immer stärkeren Zulauf haben.


Was also tun, um uns Jugendlichen die Geschichte näher zu bringen? Das haben sich auch unsere Geschichtslehrkräfte und das Lumen-Filmtheater gefragt und so besuchten wir am 3. Februar 2026 als Klassenstufe 10 des Stiftischen Gymnasiums den Film „Der Untergang“ im Rahmen des Projekts „Kino gegen Nazis muss Schule machen“. Ein herzlicher Dank geht an das Dürener „Bündnis gegen Rechts“, das die Eintrittskosten vollständig übernommen hat und besonders an deren Vertreter aus dem Sprecherkreis Jo Ecker, der auch „Pate“ unserer Schule im Rahmen des Projekts „Schule gegen Rassismus“ ist, mit uns den Film angeschaut und zuvor ein Grußwort an uns gerichtet hat.
Der Film spielt im April 1945, den letzten Tagen des 2. Weltkrieges. Die Niederlage des Deutschen Reiches zeichnet sich bereits länger deutlich ab. Die erste Szene zeigt das erste Artilleriefeuer, das Berlin trifft. Adolf Hitlers Berater drängen ihn dazu, die Stadt zu verlassen, solange noch Zeit ist. Hitler weigert sich jedoch krampfhaft und hält an seinen Plänen fest. Er denkt, er habe noch weitere „Asse“ im Ärmel, es werde einen „Endsieg“ geben und anschließend könne er seine Pläne von einem „germanischen Weltreich“ umsetzen. Die sich zunehmend verschlechternde Lage der Zivilbevölkerung interessiert Hitler nicht. Seiner Meinung nach sind sie alle selbst an ihrer Lage schuld, da sie Feiglinge seien und dadurch ihren selbst herbeigeführten Untergang verdient hätten.
Das begründet er unter anderem damit, dass das Volk ihn und seine Partei freiwillig gewählt und er sie zu nichts gezwungen habe. Dieser Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, da er erschreckende Parallelen zur heutigen Zeit aufweist. Auch heute wählen wir selbst freiwillig Parteien, die uns zwar Gutes versprechen, aber sowohl in ihren Versprechen als auch anderweitig der damaligen NSDAP ähneln. Hitler ist trotzdem nicht der Meinung, dass er und seine Partei an der eigentlichen Situation schuld sind, sondern dass die Feigheit und Inkompetenz des Volks seine gut gemeinten Pläne sabotiert hätten. Er habe nur das Beste für das Deutsche Reich gewollt.
Im weiteren Verlauf des Films wird die Brutalität des Krieges noch mal deutlich. In Berlin toben Straßen- und Häuserkämpfe. Hitler zeichnet die besten Schützen der Hitlerjugend (HJ) aus, einige davon sind noch deutlich jünger als wir. Es werden Szenen gezeigt, in denen Kinder aus der HJ trotz Warnung durch Eltern und andere Erwachsene darauf bestehen, die Stellung zu halten und Berlin zu verteidigen – ein aussichtsloses Unterfangen, das beim Eintreffen der alliierten Truppen dazu führt, dass die Kinder sich gegenseitig erschießen oder Selbstmord begehen, um nicht gefangen genommen zu werden.
Hitler verschanzt sich währenddessen mit seinen Ministern und anderem Personal in seinem Bunker. Dort bekommt er Wahnvorstellungen und glaubt, den Krieg immer noch gewinnen zu können, indem er auf längst versprengte Armeen setzt. Seine Vertrauten spalten sich. Die eine Hälfte weigert sich trotz der Unvereinbarkeit mit dem „Führereid“ Hitlers Befehle auszuführen und noch mehr Schaden an der Zivilbevölkerung hinzunehmen; Hitler sieht sie als Verräter an. Die andere Hälfte hält zu ihm und kann sich genau wie er eine Welt ohne Nationalsozialismus nicht vorstellen. Dazu zählen auch Joseph Goebbels und dessen Frau, die Goebbels mit den gemeinsamen Kindern wenige Tage vor Kriegsende in den Bunker einfliegen lässt.
Die Lage wird immer aussichtsloser, es wird viel getrunken und über die Wirksamkeit, Dauer und Schmerzen verschiedener Selbstmordtechniken diskutiert. Es werden Zyankali-Kapseln verteilt. Hitler lässt sich mit seiner langjährigen Partnerin Eva Braun trauen. Einen Tag später begehen sie gemeinsam Suizid. Einer von Hitlers Vertrauten bekommt von ihm persönlich die Aufgabe, die sterblichen Überreste vollständig zu beseitigen, da er auf keinen Fall den Sowjets als „Trophäe“ in die Hände fallen will.
Im Führerbunker stehen sich nach Hitlers Tod die beiden Lager von Hitlers Gefolgsleuten gegenüber und es entbrennen Streitigkeiten, ob man kapitulieren und versuchen sollte, den Schaden zu minimieren, oder ob es sich lohnt, weiter zu kämpfen. In der darauffolgenden Nacht verabreicht Magda Goebbels ihren Kindern Schlafmittel und tötet sie anschließend mit Zyankali-Kapseln, da sie nicht möchte, dass sie in einer Welt ohne Nationalsozialismus aufwachsen. Anschließend begeht auch das Ehepaar Goebbels Suizid. Diese Szene, in der eine Mutter so sehr wahnhaft an ihrer Ideologie festhält, dass sie sogar ihre eigenen Kinder tötet, macht nochmal deutlich, wie extrem und fanatisch die Verbundenheit vieler Deutscher zum Nationalsozialismus, ihrem sogenannten „Patriotismus“, war.
Während sich Hitlers treue Gefolgsleute zusehends selbst umbringen, fordert der General und Kampfkommandant von Berlin Helmuth Weidling die Truppen am 2. Mai 1945 zur Kapitulation auf. Das führt zu einer weiteren Welle von Gewalt, da Hitler treue Kampftruppen in den letzten Kriegstagen und -stunden noch versuchen, „Vaterlandsverräter“ umzubringen und selbst ihr Leben ebenfalls mit Zyankali-Kapseln beenden.
Der Film stieß bei uns hauptsächlich auf positive Kritik. Er war eine sehr gute Ergänzung zum Unterricht und hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen, sowie uns das Thema näher gebracht. Unterschiedliche Meinungen gab es zu einigen der Suizid- und Lazarettszenen, die teilweise doch recht blutig waren. Da wurde diskutiert, ob man diese Szenen für den Film wirklich braucht, oder ob man ihn doch eher in einer höheren Jahrgangsstufe schauen sollte. Letztendlich waren wir uns dann aber doch einig, dass ein solcher Kriegsfilm polarisieren und schockieren muss, um die gewünschte Wirkung zu erzielen und im Kopf zu bleiben. Dazu müssen nun einmal auch die brutalen Seiten des Krieges dargestellt werden. Ich sehe den Kinobesuch als großen Erfolg und sehr gute Ergänzung zum Schulunterricht an. Auch zukünftige 10. Klassen sollten ihn sehen.
Text: Naya Obermüller (10d)
Fotos: Marcel Klemm