Eine beeindruckende Ausstellung: Jüdische Schülerinnen und Schüler am Stiftischen Gymnasium Düren

24.10.2021 | Aktuelles, Allgemein, Geschichte, Projekte, Religion

Jüdisches Leben in Deutschland kann im Jahr 2021 auf eine 1700-jährige Geschichte zurückblicken. Ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin von 321 erwähnt die Kölner jüdische Gemeinde. Es gilt als ältester Beleg jüdischen Lebens in Europa nördlich der Alpen. Im Rahmen eines bundesweiten Themenjahres finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die unterschiedlichste Aspekte der deutsch-jüdischen Geschichte und Kultur bis in die Gegenwart beleuchten.

Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wurde am „Europäischen Tag der jüdischen Kultur“ am Sonntag, dem 5. September 2021, am Stiftischen Gymnasium Düren eine interessante Ausstellung gezeigt, die exemplarisch insbesondere einige der jüdischen Schüler vorstellte, die das Stift im 19. und 20. Jahrhundert besuchten. Eröffnet wurde die Ausstellung um 14.00 Uhr mit einem Konzert in der Aula, bei der die Sopranistin Maria Mysachenko, selbst Absolventin des Stiftischen Gymnasiums, von Markus Mönkediek am Klavier begleitet wurde.

Das Programm umfasste ein weites Spektrum von Liedern jüdischer Komponisten, Interpreten und auch traditioneller jiddischer und hebräischer Lieder. Maria Mysaschenko berührte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit ihrer einfühlsamen Darbietung der folgenden Auswahl: „Donna Donna“ (Aaron Zeitlin & Sholom Secunda, 1940), „Jeruschalajim schel sahav“ / „Jerusalem aus Gold“ (Naomi Shemer, 1967), „La tendresse“ / „Liebkeit“ (Les Eyes Noires, 2000), „Shelleg al iri“ / „Schnee auf meiner Stadt“ (Naomi Shemer 1967), „Laila Laila“, Wiegenlied (Natan Alterman/Mordechai Zeira, 1948) und „Hallelujah“ (Leonard Cohen, 1984).

Im Anschluss führten Dr. Achim Jaeger und Dr. Thomas Rubel im Foyer der Aula in die Inhalte der Ausstellung ein. Eine Projektgruppe von interessierten Schülerinnen und Schülern hatte gemeinsam mit den Lehrern Lebensläufe von ehemaligen Schülern recherchiert und – soweit wie unter Corona-Bedingungen möglich – rekonstruiert. Im Spannungsfeld von Integration und Ausgrenzung wurden die bisherigen Arbeitsergebnisse vorgestellt und einzelne Lebensläufe auf neuen Stellwänden, die durch freundliche Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer des Stiftischen Gymnasiums e. V. (FVV) angeschafft werden konnten, skizzenhaft dokumentiert.

Es ließen sich beispielsweise Informationen zu dem 1833 in Düren geborenen Dr. Ludwig (Louis) Schuster finden, der seine Schullaufbahn 1854 am Dürener Gymnasium beendete und sein Medizinstudium 1858 mit einer Promotion abschloss. Nach Approbation in Berlin wirkte er als Arzt in Stolberg und als Badearzt in Aachen.1866 und 1870/71 war er Kriegsteilnehmer, beruflich hielt er sich in Wien, Halle, Prag, St. Louis und Paris auf. Er veröffentliche zahlreiche Studien und verstarb 1906 in Aachen, wo er ab 1866 Repräsentant der Synagogengemeinde war.

Als weiteres Beispiel sei hier Rechtsanwalt Dr. Max Pereles angeführt, der 1886 im böhmischen Choldenschloß geboren wurde und 1906/07 seine Abiturprüfung am Stiftischen Gymnasium ablegte. 1918 erhielt er seine Zulassung als Rechtsanwalt in München, wurde aber im nationalsozialistischen Deutschland 1933 mit Berufsverbot belegt. Pereles engagierte sich als politischer Zionist, emigrierte 1936 nach Italien, wo er ab 1940 in einem Lager im Süden des damaligen Italiens (heute: Kroatien) interniert wurde. 1947 emigrierte er in die USA, wo er 1971 im Alter von 84 Jahren verstarb. Am Justizpalast in München erinnert eine Gedenktafel an diese während der NS-Zeit entrechteten und verfolgten jüdischen Anwälte. Hier wird Max Pereles erwähnt.

Zudem informierte die Ausstellung über ein gemeinsames Projekt von Schülerinnen und Schülern des Stiftischen Gymnasiums und jenen aus Nesher (Israel), die sich während des Lockdowns im Frühjahr 2021 auf Initiative von Dr. Thomas Rubel und Or Mordo mehrfach bei virtuellen Treffen begegnet sind, so u. a. am internationalen Holocaust-Gedenktag bei einem Gespräch mit der Zeitzeugin Elite Olshtain über ihre Erfahrungen als Verfolgte in der NS-Zeit. Die Ausstellung stieß auf reges Interesse. Auch die „Dürener Zeitung“ berichtete am 7. Oktober 2021 ausführlich über das Projekt.

Text und Fotos: Dr. Achim Jaeger

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