„Tod“ von Woody Allen am Stift: Vieles, was in Erinnerung bleiben wird

23.09.2021 | Aktuelles, Allgemein, Deutsch, Literatur, Theater

„Tod“ von Woody Allen, aufgeführt vom Literaturkurs des Stiftischen Gymnasiums am 3. und 4. September 2021 (Regie: Robert Will)

Franz Kafka und Friedrich Dürrenmatt lassen grüßen:

Ja, die Welt ist undurchsichtig, unsichtbare Instanzen ziehen an Fäden, es scheint Hierarchien zu geben – die stiften aber keine Ordnung, sondern Chaos … alle meinen, eine Aufgabe zu haben, keiner weiß aber genau, welche, und keiner kennt Zusammenhänge.

Am Ende hetzen alle von hier nach da, es beginnt eine hysterische und aggressive Suche nach einem Täter, einem Mörder, den man unbedingt erledigen muss. Das Ende vom Lied, alle werden auf dieser Jagd umgebracht, überleben tut der Mörder, der seiner Arbeit in aller Ruhe weiter nachgeht. Vielleicht ist er einfach der Tod, den niemand bezwingen kann?

Tapfer geht der kleine Mensch, Herr Kleinmann ist sein Name, mit Vernunft, Logik und gesundem Menschenverstand, zumindest glaubt er das, an die Aufgabe, die er gar nicht haben wollte. Erst versucht er sich dem Auftrag, einen Mörder zu suchen, zu entziehen, dann gibt er sich geschlagen und macht mit, läuft angstbibbernd durch Nacht und Nebel, erhofft sich Halt und etwas Liebe von Gina, der bodenständigen Prostituierten, die ihn gleich zur Kasse bittet (sehr überzeugend: Angelina Holland), stirbt dann später wunderbar komödiantisch, nämlich scheibchenweise, weil ihm einfällt, was er der Nachwelt noch Wichtiges mitzuteilen hat. Carla Randerath hat diese Figur ganz groß, großartig in Szene gesetzt. Nuancenreich, schön ausgespielt, mit Mut zu kleinen Gesten, zur Stille, zum Schweigen.

Es wären noch viele und vieles zu nennen, was in Erinnerung bleiben wird: der verkopfte Arzt, die schnüffelnde Telepathin, der coole Wahnsinnige; daneben die schöne und wirkungsvolle musikalische Untermalung, eine erstaunlich gute saubere Sprechtechnik aller Darsteller, gute Maskenbildner und und und.

Großer Applaus für eine wirklich bemerkenswerte Theateraufführung!

Text: Wl
Fotos: SFL

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