Am 22. Juni 2026 fand für zwei Geschichtskurse der Jahrgangsstufe Q1 der Unterricht im Dürener Lumen Kino statt. Auf Anregung von Prof. Dr. Michael Braun (Köln/Berlin) hatten die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses (Leitung: Marcel Klemm) und eines Grundkurses Geschichte (Leitung: Dr Achim Jaeger) Gelegenheit, den Film „Nürnberg“ in einer Sondervorstellung zu sehen und zu analysieren. Möglich wurde dies auch durch ein Sponsoring des Kunstfördervereins Kreis Düren e.V. und des Prinzen Henri von Merode, wofür beiden ein herzlicher Dank gilt. Nach der Begrüßung führte Professor Braun kurz in den Film ein und bat darum, zwei Filmzitate während der Fortführung zu reflektieren.
Der historische Spielfilm, der am 7. Mai 2026 seinen Kinostart hatte, thematisiert die Nürnberger Prozesse und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Hauptprozess, bei dem der Reichsmarschall Hermann Göring, Hitlers Nachfolger, als einer der Hauptkriegsverbrecher vor Gericht stand. Basierend auf dem Roman „Der Nazi und der Psychiater“ des Wissenschaftsjournalisten Jack El-Hai spitzt Regisseur James Vanderbilt die Gespräche zwischen Göring und dem Psychiater Douglas M. Kelley zu und inszeniert sie als Courtroom-Drama mit Rami Malek als Kelley und Russell Crowe als Göring in den Hauptrollen. Beide Protagonisten erweisen sich als geschickte Manipulatoren, wobei sich Göring am Ende dem Todesurteil des Internationalen Gerichts in Nürnberg durch Suizid entzieht.
Im Nachgespräch zum Film arbeitete Prof. Michael Braun gemeinsam mit der Schülergruppe exemplarisch filmische Mittel, Erzählstränge und Dramaturgie des Films heraus. Die Charakterisierung der einzelnen Figuren sowie die der Stellenwert der Verwendung von originalem Filmmaterial kam hierbei zur Sprache. Dr. Achim Jaeger wies abschließend auf die fokussierte, z. T. verkürzte Darstellung historischer Sachverhalte im Film hin und betonte, dass nicht das packend inszenierte Psychoduell zwischen Göring und dem US-Militärpsychologen Dr. Douglas Kelley zur Verurteilung des ranghöchsten Nationalsozialisten in Nürnberg führte, sondern die Beweislast der Dokumente und Fakten.
In Erinnerung gerufen wurde auch eine frühere Veranstaltung im Dürener Lumen, bei der am 5. Oktober 2016 ein Dokumentarfilm über den seinerzeit jüngsten Ankläger in Nürnberg, Benjamin B. Ferencz, im Mittelpunkt gestanden hatte. Am Ende dankte Dr. Jaeger dem Literatur- und Filmwissenschaftler Michael Braun sowie den Sponsoren nochmals für die außergewöhnliche Möglichkeit, Geschichtsunterricht mit Gegenwartsbezug an einem außerschulischen Lernort realisieren zu können.