Vortrag von Paul Larue über das Edikt Kaiser Konstantins I. von 321 und 1700 Jahre Juden in Köln

28.11.2021 | Aktuelles, Allgemein, Geschichte, Lesungen und Vorträge

Mit einem Vortrag über den Erlass Kaiser Konstantins I. von 321 n. Chr. und die Juden in der römischen Spätantike vermittelte der ehemalige Bürgermeister der Stadt Düren, Paul Larue, am 23. November 2021 seinen Zuhörerinnen und Zuhörern vielfältige Einblicke in die Geschichte. Das berühmte Edikt gilt als erster erhaltener Beleg jüdischen Lebens nördlich der Alpen und stellt somit den Bezugspunkt für das laufende Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ dar. Nur zwei Fassungen des Dokuments sind erhalten. Die älteste Abschrift aus dem 6. Jahrhundert, die in der Bibliotheca Vaticana aufbewahrt wird, war unlängst für kurze Zeit in der Kölner Ausstellung „In die Weite. Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland“ zu  sehen, die noch bis zum 15. August 2022 läuft.

Paul Larue erläutert das Edikt Kaiser Konstantins.

In der Aula des Stiftischen Gymnasiums stellte Paul Larue das Edikt Kaiser Konstantins des Großen im Wortlaut vor und beleuchtete dessen historischen Kontext in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Als versierter Historiker erläuterte er die Bedeutung des konstantinischen Dekrets, welches die Berufung von Juden in Ämter der städtischen Kurie und der römischen Stadtverwaltung erlaubte. Wissenschaftlich fundiert und zugleich auf ansprechende Art dargeboten, eröffnete der Referent seinem Publikum auf verständliche Weise Einblicke in das Schlüsseldokument, das als älteste erhaltene Quelle bezeugt, dass vor 1700 Jahren Juden in Köln lebten. Er machte klar, dass es sich bei dem Dekret um eine Antwort auf eine wahrscheinliche Anfrage des Kölner Stadtrates an den Herrscher handelt und skizzierte die Bedeutung des Gesetzes vor dem Hintergrund der Situation der jüdischen Gemeinden in den Städten des spätantiken Römischen Reiches.

Immer wieder wurden dabei auch Bezüge zur Gegenwart hergestellt, um die Lebenswirklichkeit der Antike verständlicher zu machen. Verschiedene wissenschaftliche Deutungen des Textes und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen wurden vorgestellt, um dann deren Stellenwert bzw. Geltung zu diskutieren. Für das Publikum bestand am Ende Gelegenheit zu Nachfragen oder Austausch im Gespräch. Mit dem Vortrag, der im Rahmen der von Dr. Achim Jaeger moderierten Reihe „Lesung und Gespräch” stattfand, gingen die diesjährigen Kulturveranstaltungen am Stiftischen Gymnaisum zu Ende. Zugleich war es der Abschluss mehrerer schulischer Angebote im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

Text und Foto: Dr. Achim Jaeger

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