Am 10. und 11. Juli 2026 feierte das Stiftische Gymnasium ein großes Fest, das den Höhepunkt unseres 200-jährigen Gymnasialjubiläums darstellte. Am Freitagnachmittag fand unter dem Motto „Vielfalt macht uns stark“ ein gut besuchter ökumenischer Festgottesdienst in der Annakirche statt. Gestaltet wurde er mit musikalischer Begleitung durch Felix Cuypers (Trompete) und Julius Marx (Orgel) von der Pfarrerin Marina von Ameln, Kaplan Andreas Hahne und Kaplan Dr. Andy Theuer – alle drei Ehemalige unserer Schule – unter Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften des Stifts.



Nach einer Pause schloss sich um 19.00 Uhr der feierliche Festkommers an. In der festlich geschmückten Aula, die voll besetzt war, spielte das Schulorchester unter der Leitung von Markus Mönkediek auf und ließ den „Danzon No. 2“ von Arturo Márquez erklingen. Dann begrüßte Schulleiter Ulrich Meyer die Anwesenden und hob dabei die Ehrengäste hervor. Als Festredner betrat Prof. Dr. Michael Lentz die Bühne. Als ehemaliger Schüler (Abiturjahrgang 1983) hielt er seine eindrückliche Rede, die er mit „200 Jahre Stiftisches Gymnasium – Eine Gratulation“ betitelte. Hierin verband der Schriftsteller Michael Lentz die historische Entwicklung des Gymnasiums mit einer akribischen Beschreibung des gegenwärtigen Schulgebäudes. Diese beinhaltete Beobachtungen zu markanten architektonischen Besonderheiten sowie Erinnerungen an seine eigene Schulzeit am Stiftischen Gymnasium.
Während seines Vortrags wurden eine tiefe Verbundenheit mit der Schule und seiner Heimatstadt Düren ebenso deutlich wie die Dankbarkeit darüber, diese Schule besucht zu haben. Meinungsfreiheit, Gewaltfreiheit, Toleranz und kritisch-reflektierendes Denken seien hier als moralische Haltung vermittelt worden. Allerdings stellte er deutlich heraus, dass zum humanistisch geprägten Stifischen Gymnasium das 1954 am Aulaeingang angebrachte, von Adolf Wamper geschaffene Relief des „Lebensbaums“ nicht passe. Es könne, so Lentz, nicht an diesem Ort verbleiben und sollte durch ein zum Selbstverständnis der Schule passendes neues Kunstwerk ersetzt werden. Am Ende seiner Rede, die in gedruckter Form vorliegt, stellte Michael Lentz fest, es sei ein Glück gewesen, Schüler des Stiftischen Gymnasiums gewesen zu sein und er sei sich sicher, dass dies auch für die heutige Schülergeneration gelte.











Die Moderation des Abends übernahmen in charmanter Weise die Schülersprecherin Ronja Schaefer und ihr Vertreter Mateo Nikic. Die beiden leiteten zum nächsten Auftritt des Schulorchesters über. Hervorragend dargeboten wurde „Skyfall“ von Adele. Die Möglichkeit, eine Zeitreise zu unternehmen, bei der auch vielfältige Aspekte des aktuellen Schullebens in den Blick gerieten, bot der eigens zum Schuljubiläum produzierte Film von Marius Diel mit dem Titel „PULSE OF STIFT“. Nach diesen bewegenden bewegten Bildern schloss der erste Teil des Festkommerses mit einem von Thiemo Krass zusammengestellten Medley, der „80er-KULT(tour)“, das vom Schulorchester mit viel Spielfreude präsentiert wurde. Die anschließende Pause wurde vom Publikum genutzt, um sich an diesem sommerlichen Abend auf dem Schulhof ein wenig zu erfrischen und sich im Gespräch über das Erlebte auszutauschen.










Munter begann der zweite Teil des Abends. In ihrer kabarettistischen Einlage unterhielten Marco Beichelt und Dr. Thomas Rubel die Festversammlung mit kurzweiligen Dialogen, wobei sie mit manchem Augenzwinkern „Von der Reife der Lehrer und triefender Tradition“ sprachen. Die Sopranistin Maria Franz, ebenfalls eine ehemalige Stift-Schülerin (Abiturjahrgang 2009), bezauberte das Publikum danach mit einer Darbietung des Liedes „La vie en rose“, das Èdith Piaf bekannt machte. Begleitet wurde sie am Flügel professionell von Chloé Laufen (Hochschule für Musik und Tanz Köln).










In seinem Grußwort stellte Bürgermeister Frank Peter Ullrich als Vorsitzender des Gymnasialverwaltungsrates die Besonderheiten des Stftischen Gymnasiums heraus und bezeichnete es als wertvollen Teil der Dürener Schullandschaft, wobei er insbesondere die Kooperation der Dürener Gymnasien hervorhob. Eine freudige Mitteilung konnte der Bürgermeister zum Jubiläum machen: Der Bau des dringend erforderlichen Neubaus im Hoesch-Park soll in Kürze beginnen. Auch Birgit Willenbrink, Dezernentin bei der Bezirksregierung Köln, sprach ein Grußwort und richtete einen herzlichen Gruß des Regierungspräsidenten Gregor Lange aus. Sie zeigte sich beeindruckt vom Verlauf des Festkommerses und bekräftigte ihren Eindruck, dass das Stiftische Gymnasium, das auf eine lange und bewegte Tradition zurückblicken könne, gut vorbereitet sei für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen. Nach ihrem Eindruck habe die Schule viel Potenzial.
Maria Franz und Chloé Laufen schufen einen ganz besonderen Moment, als sie Leonard Cohens „Hallelujah“ vortrugen, nachdem Maria Franz spontan das Wort ergriffen hatte, um ihren Lehrkräften und dem Stift insgesamt zu danken. Ulrich Meyer hatte als Schulleiter das Letzte Wort an diesem denkwürdigen Abend. Er lockerte seine Rede dadurch auf, dass er einen Film einspielen ließ, in dem ein gewisser Professor Zweistein (alias Ulrich Meyer) im Telekolleg Physik die Eigenschaften eines Pendels und die Möglichkeiten der Dämpfung seines Ausschlags erläuterte. Davon ausgehend äußerte er seine Überlegungen Schule und Gesellschaft. Den stimmungsvollen Festkommers beschlossen Maria Franz und Chloé Laufen mit einer musikalischen Darbietung des Liedes „Those Were the Days” von Mary Hopkin. Der Abend klang nach 23 Uhr mit einem fröhlichen Beisammensein auf dem Schulhof am Dicken Turm aus.


















Am nächsten Vormittag begannen die letzten Vorbereitungen für die große Stift-Feier zum Jubiläum. Alle Klassen und Kurse hatten mit ihren Lehrkräften sowie mit ihren Eltern ein buntes Programm vorbereitet, das von den zahlreichen Gästen dankbar angenommen wurde. Gleiches gilt für die vielfältigen kulinarischen Köstlichkeiten und das Angebot, das mehrere Getränkewagen bereithielten. Auf der Empore vor der Sporthalle 1 traten nacheinander das Schulorchester, die Big Band, die Schüler-Band „Roofpley“ und die Ehemaligen-Band „Midnight Sun“ auf und sorgten für eine festlich-fröhliche Stimmung. In der Aula wurde noch mehrfach der Film „PULSE OF STIFT“ vorgeführt und stieß auf großes Interesse. Das Wetter spielte mit und lockte Tausende Gäste ans Stift.
Groß war die Freude beim Wiedersehen im „Haus für Gürzenich“, wo am Abend die vom Förderverein organisierte Ehemaligen-Party stieg. Vertreten waren zahlreiche Abiturjahrgänge von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Insgesamt kamen etwa 500 Stiftler zusammen, um das Schuljubiläum bei angenehmen Temperaturen bis tief in die Nacht in feuchtfröhlicher Atmosphäre gemeinsam ausklingen zu lassen.



Text: Dr. Achim Jaeger
Fotos: Volker Klinger und Luis Koch