Lesung und Gespräch mit Michael Lentz: „Schattenfroh“

2.10.2018 | Veranstaltungen

Am 30. September 2018 war der renommierte Schriftsteller Michael Lentz zu Gast am Stiftischen Gymnasium, um seinen neuen Roman „Schattenfroh“ vorzustellen. Michael Lentz, 1964 in Düren geboren, studierte nach dem Abitur am Stiftischen Gymnasium Germanistik, Geschichte und Philosophie in Aachen und München. 1999 promovierte er mit einer Arbeit zum Thema „Lautpoesie/-musik nach 1945“. 1985 trat er mit der Veröffentlichung „Zur Kenntnisnahme“ (Lyrik und Prosa) erstmals an die Öffentlichkeit.

Seither schreibt er Gedichte, Romane, Erzählungen, Hörspiele, Theaterstücke, Essays und literaturwissenschaftliche Texte. Zudem beschäftigt sich Michael Lentz mit akustischer Literatur, Lautpoesie, Lautmusik, improvisierter Musik und Experimentalfilm, realisiert Musikprojekte zusammen mit Axel Kühn und Bühnenshows mit Uli Winters. Für den Text »Muttersterben« erhielt der vielfach ausgezeichnete Autor 2001 in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es folgten u.a. im Jahr 2005 der Preis der Literaturhäuser und 2012 der Walter-Hasenclever-Preis. Heute unterrichtet Michael Lentz als Professor für Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Dr. Achim Jaeger, Moderator der Veranstaltungsreihe „Lesung und Gespräch“, hatte den vielseitigen Autor an seine ehemalige Schule eingeladen. Zu Beginn seiner Lesung erinnerte sich Michael Lentz an Theater- und Musikaufführungen, die er zu seiner Schulzeit in der Aula besucht hatte. Sodann ließ er seine zahlreichen Zuhörer einen Einblick in die Werkstatt des Schriftstellers nehmen. Er skizzierte die Anlage des Romans, der seine Leser auf mehr als 1000 Seiten auf eine lange Reise  mitnimmt, wobei durch den Protagonisten, der auch den Namen „Niemand“ trägt auch auf die „Odyssee“ des Homer angespielt wird.

Es finden sich zahlreiche intertextuelle Verweise und Anspielungen um Buch, dessen Personal auf vielfältige Weise schillernd erscheint: So wird etwa die Figur  des Vaters, mit dessen Tod sich der Text auseinandersetzt, durch Züge des spanischen Königs Philipp II. verfremdet oder überblendet. Auch die Entstehungs- und Druckgeschichte des Werkes wird im Roman thematisiert, der mit dem Satz „Man nennt es Schreiben.“ beginnt und endet. Nicht zuletzt durch seine aufwändige Gestaltung – es werden u.a. verschiedene Typologien und Kunstschriften verwendet – ist der Band etwas Besonderes. Auf besondere Weise berührt die handschriftliche Dokumentation der Opfer des verheerenden Bombenangriffs vom 16. November 1944.

Die beeindruckende Art des Vortrags und die Auswahl der Textstellen, die Düren zum Inhalt haben, rund um Rathaus und Stadtmauer spielen und den Leser in den bekannten Stadtplan des Zellen Warhol (alias Wenzel Hollar), der Düren aus der Vogelschau darstellt, eintauchen lassen, machte den Abend zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Wenngleich Düren in „Schattenfroh“ eine besondere Rolle spielt, kann der Text trotz des Dürener Lokalkolorits aber gleichwohl als ein „Requiem für alle“ gelten: Das Schreiben wird motiviert durch den Tod des Vaters, Dr. Hubert Lentz, der ehemals Dürener Oberstadtdirektor und anschließend Stadtdirektor war. Auf mehr als 1000 Seiten reflektiert der außergewöhnliche Roman mit zahlreichen intertextuellen Bezügen grundsätzliche Fragen: Was bedeutet der Tod des Vaters für das Leben? Wer war dieser Vater? Wer bin ich?

Der Sohn sitzt in einer Zelle und schreibt um sein Leben. Sein Leben, das ist der Roman „Schattenfroh“. Nichts kann ihn retten, auch das eigene Erzählen nicht. Und doch muss genau davon erzählt werden: dass der Vater tot, das Ich unrettbar und die Heilsgeschichte eine gewaltige Lüge ist. Wer „Schattenfroh“ liest, der liest Gott und den Teufel, der liest die Liebe und den Tod, die Einsamkeit und den Schmerz und die Toten des Luftangriffs auf Düren am 16. November 1944, der liest Tinte und Weißraum, der liest die Schrift. „Schattenfroh“ ist ein Roman um die Welt und das Leben. Tausend verzweifelte Seiten, die die Frage nicht beantworten, ob das Leben reparabel ist und uns das Erzählen heilen kann. Tausend manische Seiten des unmöglichen Abschieds vom Vater: so hermetisch wie kraftvoll, monumental und überwältigend.

Am Ende der Veranstaltung, die vom Verein der Freunde und Förderer des Stiftischen Gymnasiums e.V. (VFF) und der Thalia Buchhandlung Düren freundlich unterstützt wurde, gab es Gelegenheit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen und Bücher signieren zu lassen.

 

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