„Das Licht des Westens zu sehen, war ein erhebendes Gefühl!“ (Peter Hippe)

15.02.2020 | Geschichte

Eindrückliches Zeitzeugengespräch zur Verfolgung durch die Staatssicherheit der DDR

Peter Hippe berichtete von seiner Vergangenheit in der DDR

Der Leistungskurs Geschichte des Stiftischen Gymnasiums in Kooperation mit dem Rurtalgymnasium unter Leitung von Herrn Klemm hatte die seltene Gelegenheit mit einem Zeitzeugen die Unterrichtsthematik  der politischen Verfolgung von Regimekritikern in der ehemaligen DDR durch die Staatssicherheit (Stasi) authentisch und emotional kennenzulernen. Peter Hippe berichtete offen und den Schülern zugewandt von ersten Einschränkungen und Stigmatisierungen als Jugendlicher in der DDR der fünfziger Jahre, nachdem seine Mutter aus politischen Gründen in die BRD geflohen war und ihren Sohn in Obhut der Großmutter in Halle an der Saale zurückgelassen hatte. So sei schon früh der Gedanke an einen Besuch der Mutter in der BRD gereift und mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes durch einen Flug nach Freiburg im Breisgau auch umgesetzt worden. Nach der Rückkehr in die DDR folgte dann, so Peter Hippe, der Beginn des „Leidensweges“ durch eine ständige Verfolgung durch die Staatssicherheit und die Jugendhilfe, da er sich durch die illegale Ausreise eines „Passvergehens“ schuldig gemacht habe. Er habe dann im Auftrag der Stasi einen Brief inklusive der Bitte an seine Mutter zurückzukommen, da er sie ansonsten nicht mehr kennen würde, zu verfassen. Des Weiteren wurde in seinem Pass der Stempel „Berlin-Verbot“ platziert, was jeglichen Aufenthalt in „Ost-Berlin“ und damit eine Fluchtperspektive untersagte.

Die Leidensgeschichte Hippes geht mit einem gescheiterten Fluchtversuch weiter, bei dem er durch einen vermeintlichen Mitflüchtling an die Stasi verraten worden sei. Es folgte eine Untersuchungshaft in Potsdam mit langen Vernehmungen und der Inhaftierung in einem „Jugendwerkhof“, einem „Durchgangsheim“ mit menschenverachtenden Haftbedingungen in Halle an der Saale, deren Ziel die „Umformung der Häftlinge zu sozialistischen Persönlichkeiten“ war.

Der Alltag im Jugendwerkhof sei nur schwer zu ertragen gewesen, da er dort in einer 15-köpfigen Jugendgruppe auch mit Kriminellen und Schwererziehbaren untergebracht war, die u.a. als Zugehörigkeit zur Gruppe eine „Zwangstätowierung“, ein Katzenkopf auf der Brustwarze, gewaltsam durchsetzte. Peter Hippe konnte dem Leben im Jugendwerkhof nur durch die Einwilligung in Spitzelarbeiten im Freundeskreis für die Stasi entkommen und eine Lehre beginnen. Aber auch in der Folgezeit, in der er seine Frau, mit der ihn eine ähnliche Lebensgeschichte verbindet, kennenlernte und Vater eines Sohnes wurde, war weiter durch beständigen Druck der Staatssicherheit gekennzeichnet, dem er immer wieder versuchte zu entkommen. Erst ein gescheiterter Suizidversuch beendet vorerst die erzwungenen Spitzeldienste.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre und einem Ingenieurstudium in Leipzig (1970-1975) versuchte sich die Familie mit dem Leben in der DDR zu arrangieren. Dies gelang jedoch nicht, Gedanken an eine Flucht hätten seine Frau und ihn beständig begleitet, erzählte Peter Hippe. Unterschiedliche Versuche die DDR über Reisen nach Ungarn oder Jugoslawien zu verlassen, seien an nicht erteilten Visa gescheitert, ebenso Fluchtvorbereitungen über Zulieferbetriebe seines Arbeitgebers im Grenzgebiet zur BRD oder die Bewerbung an einem Pipelineprojekt der UdSSR bis in die BRD mitzuarbeiten.  Der folgende erste Ausreiseantrag führte zur Degradierung als Lagerarbeiter, Hippe war zuvor Bauingenieur, und konnte über gute Kontakte und einer Jobvermittlung seines Sohnes zur Evangelischen Kirche gemindert werden.

Gemeinsames Kursfoto mit Peter Hippe

Insgesamt blieben 17 Ausreiseanträge, die das Ehepaar Hippe ohne den Sohn stellte, um diesen nicht zu gefährden, Monat für Monat erfolglos. Peter Hippe engagierte sich fortan ermutigt durch die KSZE-Schlussakte von Helsinki verstärkt für die Friedensgebete in Leipzig. Die Staatssicherheit agierte im Zuge der erhofften Anerkennung durch andere Staaten in den siebziger Jahren unauffälliger durch die sogenannte „Zersetzung“, „das Fieseste, was es gibt“, so Hippe. Als bekannter Bürgerrechtler und Kirchenvertreter habe die Stasi nun versucht seine Familie, seinen Freundeskreis und Gleichgesinnte sowie seine berufliche Tätigkeit zu zerstören bzw. zu diskreditieren. Ihm seien „Frauengeschichten“ ebenso nachgesagt worden wie berufliche Fehler und sein Sohn sollte gegen seine Eltern eingenommen werden. Zudem seien der Personalausweis eingezogen und gegen ein Behelfsdokument eingetauscht werden sowie sogenannte „Disziplinierungsgespräche“ gefolgt. Im Kreise von vier eingeschworenen Familien sei dann der Entschluss zur Besetzung der US-amerikanischen Botschaft in „Ost-Berlin“ gereift und am 20.09.1988 erfolgreich umgesetzt worden. Das Auftreten als Touristengruppe und das überraschende Eindringen in die Botschaft habe die Stasi offensichtlich düpiert sowie schließlich zur „Ausbürgerung“ aus der DDR und zum „Freikauf“ durch die BRD geführt. Die Fahrt in die Freiheit mit dem Zug sei sehr emotional gewesen und das „Licht des Westens zu sehen, war ein erhebendes Gefühl“, das ihn auch heute noch sehr bewege, wie auch die versuchten Kontaktaufnahmen mit den ehemaligen „Tätern“ oder die Beschäftigung mit seiner 1200 Seiten umfassenden Stasiakte.

Text und Fotos: Kl

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