30 Jahre Austausch mit der Mount Lebanon High School

Vom 8. bis zum 23. Oktober 2013 (etwa zwei Wochen vor unseren Herbstferien und in die erste Ferienwoche hinein) haben wir, eine Gruppe von 10 Schülern und 10 Schülerinnen, zusammen mit Frau Bröcker und Herrn Pfaff, am diesjährigen Schüleraustausch nach Pittsburgh teilgenommen. Nachdem die Amerikaner uns Mitte Juni in Deutschland besucht hatten, nahmen sie nun uns in ihren Familien auf, und jeder von uns durfte den Alltag und das Schülerleben einer anderen Kultur in einem einerseits vertrauten und andererseits doch fremden Kontinent kennenlernen.

Unserer Reise begann am Flughafen in Frankfurt. Von dort flogen wir die weite Strecke bis nach Charlotte, North Carolina,  unserer Zwischenlandung in den USA. Der achtstündige Flug hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, was wir sofort spürten, als wir nach dem Anschlussflug an unser Ziel, Pittsburgh, gelangten und am frühen Abend das erste Mal unsere Gastfamilien vor der Schule sahen.

Die nächsten Tage begleiteten wir unsere amerikanischen Freunde in ihre Schule, um mit ihnen zusammen in ihr Leben einzutauchen. Die Mount Lebanon High School ist eine riesige Schule, in der wir Stiftler große Probleme hatten, uns zurechtzufinden oder uns sogar verliefen. Der Unterricht dort fängt um 8 Uhr an und endet für jeden Schüler um 15 Uhr –  also ganz anders, als bei uns in Düren. Besonders gewöhnungsbedürftig war für uns, dass das Gebäude in diesem Zeitraum abgeschlossen wird, sodass keiner mehr unkontrolliert hinein – bzw.  hinausgehen kann. Dies soll (seit dem Attentat von 9/11 auf das World Trade Center) die Sicherheit der Schüler gewährleisten.

Auffällig war außerdem, dass die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern in Mount Lebanon eine ganz andere war, als hier in unserer Schule. Es gab viel mehr persönliche Gespräche vor allem im Klassenraum, und auch der amerikanische Unterrichtsstil unterschied sich von dem deutschen. Nachmittags hatten unsere Gastschwestern-oder brüder immer viel für uns geplant: Sie gingen mit uns beispielsweise in die Shopping-Mall oder fuhren mit uns downtown, also in die Innenstadt von Pittsburgh. Obwohl jeder von ihnen immer viel für die Schule tun musste, da sie sich alle im Senior-Year, also im Abschlussjahr, befinden, waren sie immer geradezu erpicht darauf, uns so viel wie möglich von der amerikanischen Kultur und den Sehenswürdigkeiten zeigen zu können. Besonders von diesem Engagement bin ich sehr beeindruckt und auch dankbar dafür.

An den Wochenenden wurde für jeden von uns Gastschülern, jeweils etwas Individuelles geplant. Michelle Seiz ist beispielsweise auf eine Hochzeit in Philadelphia gefahren, und Laura Angelucci reiste nach Kanada.

Zusammen mit meiner Gastschwester und ein paar anderen Freunden aus Deutschland wurden wir nach Chautauqua im Staat New York mitgenommen. Dies ist ein Ferienort an einem  See und benannt nach einem alten Indianerstamm, der früher dort lebte. Außerdem fuhren wir von dort aus zu den Niagara Falls, riesigen Wasserfällen an der Nord-Grenze zwischen den USA und Kanada. Etwas Vergleichbares hatte ich zuvor noch nie gesehen.

Vor allem konnten wir uns alle innerhalb dieses Wochenendes viel besser kennenlernen und erfuhren wertvolle Einzelheiten über die amerikanische Denkweise, die man als Tourist nie in dieser Form hätte ‚mitnehmen‘ können. Aber es wurde auch klar, dass unsere amerikanischen Freunde andererseits auch genau solche Jugendlichen sind wie wir, die den gleichen Humor haben und mit denen man daher viel lachen kann.

In der darauf folgenden Woche ging es für uns direkt nach Washington DC, was unser persönliches Highlight darstellte. Immerhin ist dies die Hauptstadt der Vereinigten Staaten, mit unsagbar vielen Sehenswürdigkeiten, beeindruckenden Bauwerken und Museen und dem Amtssitz des Präsidenten, dem Weißen Haus, mit interessanten Menschen aus verschiedensten Regionen  und Ländern und natürlich, last but not least, mit dem Sitz der Regierung, also dem Kapitol.

 

Insgesamt verbrachten wir 3 Tage dort. Allerdings gab es in den ersten 2 Tagen ein Problem für uns, mit dem sich die deutschen Gruppen in den vergangenen Jahren nicht hatten beschäftigen müssen, nämlich dem Shutdown, der wegen einer Regierungskrise der Parteien dazu führte, dass in der Hauptstadt alle öffentlichen Gebäude, d.h. viele Museen und eine große Anzahl an Sehenswürdigkeiten für etwa 2 Wochen geschlossen bleiben sollten,  bis ein inneramerikanischer Kompromiss erzielt werden würde.

Davon ließen wir uns aber nicht zu sehr beeindrucken und Frau Bröcker und Herr Pfaff versuchten, unser Sightseeing-Programm dort trotzdem so gut wie möglich umzusetzen, was uns dann auch in großem Maße gelang. Am Morgen des 3. Tages hatten wir dann sogar noch Glück und konnten zumindest einige der Smithsonian Museums noch individuell besichtigen.

Wir waren jeden Tag stundenlang unterwegs und haben unglaublich viele Bereiche von Washington gesehen und dazu auch noch viel Spaß gehabt. Vor allem die Universitätsstadt Georgetown mit seinem Kolonialstil und vielen Restaurants und Geschäften hat auf mich wegen der vielen Studenten und Fakultäten dort bleibenden Eindruck gemacht.

Zurück in Pittsburgh besuchten wir die regionalen Attraktionen, wie das große Steelers Football Stadium, von der Gurken- und Ketchup-Firma Heinz gesponsert, die besonders typischen amerikanischen Restaurants, so z.B. Primanti Brothers im Strip District  mit den Maulsperre verursachenden Riesensandwiches, wo wir auch Stefan Haasenleder trafen, einen Stiftler, der mit Frau Bröcker 2008 im Austausch in Pittsburgh war und jetzt nach dem Abitur ein Jahr in den USA verbringt.  Wir fuhren auch durchs Amish County, wo es in der Nähe auch ein großes Outlet-Center in Grove City gibt, das Lehrer- und Schülerherzen auf Höchste erfreute…

Die Zeit dort drüben in den USA ging einfach viel zu schnell vorbei, da man gerade erst angefangen hatte, die Leute dort ins Herz zu schließen und kennenzulernen.

Es war eine unvergessliche Erfahrung, die man einfach jedem empfehlen kann, weil man Eindrücke gewinnt, die einem niemals verloren gehen werden! Für mich war es das allererste Mal überhaupt in einem fremden Kontinent und trotzdem habe ich mich, wegen der Gastfreundlichkeit dort, fast wie zu Hause gefühlt.

Und es gibt ja auch Gemeinsamkeiten mit der deutschen Kultur, da in Europa einiges von den Amerikanern übernommen worden ist, aber trotzdem gibt es viel Neues zu erfahren und mitzunehmen. Ich bin dankbar, dass ich die Chance hatte, vor allem mit so vielen meiner Freunde diese Reise anzutreten und auch viele neue Menschen in Amerika kennenlernen zu dürfen. Die Möglichkeit internationale Kontakte zu knüpfen lohnt sich immer und wird einem auch im späteren Leben sicherlich Vorteile bieten können.

Wir alle werden vor allem Mount Lebanon und Pittsburgh nicht mehr vergessen. Dies sind von nun an Orte in den USA, die uns immer im Gedächtnis bleiben werden.

                  Lea Hardock