Gardasee 2009

oder auch
Zwischen purem Ernst und entspanntem Nonsense

Neun Tage waren wir, der Mathe-LK, mit Herrn Bünten und Frau Schiffer unterwegs durch die Weiten Italiens. Wer jetzt nach einem Zusammenhang zwischen Herrn Bünten oder Frau Schiffer und Mathematik sucht, sucht wohl vergeblich. Denn unserer hochschwangeren Fachlehrerin Frau Röther blieb trotz Sehnsucht nach Sommer, Sonne und Seeluft nichts anderes übrig als tief schluchzend mit einem Taschentuch unserem davon fahrenden (Party-)Bus hinterher zuwinken.

Wie könnte man jetzt also –was schließlich unsere Aufgabe ist- die Fahrt an den Gardasee mit Zwischenstop in Ulm beschreiben? Eine Fahrt voller Kontraste… so viel lässt sich wohl sagen.
Zwischen Sonne und Regen, zwischen Neckermann-Frustration und Putzfrau-Luxus, zwischen Festessen und Eiern, zwischen 3 € Brillen und 10 € Tiramisu und schließlich zwischen Kanzlerduell und Mafiaspielen.
Aber jetzt von Anfang an:

Tag 1: Zwischen Luxusbus und Jugendherberge
Die Fahrt ging also los…Fr. 11.09.09 / 08.15 Uhr in Düren …gemütlich in Jogginghose…mit viel Platz -22 Leuten in einem Bus für 50 Leute ergibt mind. 2 Plätze für jeden (Mathe-LK )- und Heinz, unserem treuen, liebenswürdigen und sympathischen Busfahrer.
Unsere von Schlafen und DVD gucken (Ja, unser Bus war wirklich ein Luxusbus) geprägte Fahrt wurde durch den Halt an der Tiefenhöhle in Laichingen und am Blautopf bei Blaubeuren unterbrochen.
Kämpfte man am ersten Ort mit Höhenangst und Tiefenfurcht, beeindruckte der zweite mit seiner Farbenpracht und seiner Quellschüttung.
Taktisch klug plante unsere Heeresleiterin Frau Röther den nächtlichen Zwischenstop in Ulm.
Die Kultur durfte nie zu kurz kommen und wurde an diesem Abend durch eine Stadtführung mit Frau Pröbstle im schwäbischen Dialekt erfüllt. Als Ausgleich dafür stand der Abend frei zur Verfügung, wurde beispielsweise durch Flatrate-Essen (bei dem einen oder anderen beinhaltete dies vier Pizzen) abgerundet und klang schließlich in der Jugendherberge Ulm aus.

Tag 2: Zwischen Partybungalows am Gardasee und 4-Sterne Rentnerhotel fern vom Ufer
Sa. der 12.09.09 führte uns über den Fernpaß und Österreich nach Bozen – dort legten wir noch einen Zwischenstopp im Ötzi-Museum in Bozen ein und besichtigten die weltbekannte Gletschermumie. Nach langer Busfahrt kamen wir abends endlich am lang ersehnten Ziel an: unserer Bungalowanlage in Padenghe direkt am Gardasee.
Unter Lebensgefahr überquerten wir mitsamt unserem Gepäck die Schnellstraße, damit unser Blick auf die herrliche Anlage fiel und wir in Jubel ausbrechen konnten. Doch die Ernüchterung kam schnell: „Wie Buchungsfehler zwischen Neckermann und Italien, unsere Buchung ist nicht berücksichtigt und wir haben jetzt keine 10 Bungalows?“ In der Tat, so war es.
Da standen wir: 20 Leute in Jogginghose geträumt vom Sprung in den See und von Neckermann auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Aber (und das nennt man wohl Glück im Unglück) Ersatz war dann im Nachbarort Moniga del Garda doch relativ schnell gefunden und nach erneuter lebensgefährlicher Straßenüberquerung begannen die wildesten Spekulationen durch den Bus zu schallen: „Fünf Sterne Hotel“, „Vollpension“, „Seeblick“- und noch viele mehr.
Letztendlich war es ein vier Sterne Golf-Resort ohne Vollpension und ohne nahen Seeblick aber mit hochwertigem Pool nebst entsprechenden Liegen und mit Golf-Rentnern.
So konnte der Abend doch noch mit einem nächtlichen Sprung in den Pool für alle zufriedenstellend beendet werden.

Tag 3: Nackte Tatsachen: Zwischen Romeo&Julia oder Merkel&Steinmeier
Unser dritter Tag führte uns in die Stadt von Romeo und Julia – Verona.
Auf die obligatorische Stadtführung mit Mauro Pasetti folgte ein kurzer Besuch der Arena und anschließend durfte der Rest des Tages frei gestaltet werden. Nach Gladiatoren, Stadtbummel, Eis, historischen Statuen und Kirchturmbesichtigungen fanden wir uns schließlich nach ausführlichem Einkauf zurück in der Hotelanlage bei Sonnenschein am Pool wieder. Der Abend wurde mit auf das Kanzlerduell folgenden politischen Diskussionen und Kartenspielen, bei denen manch freizügiger Mitspieler sein letztes Hemd (und noch mehr) in der Hoffnung zu gewinnen gab, verbracht.

Tag 4: Zwischen Kriminellen Akten und Maßnahmen von ganz oben
Am vierten Tag war nach einem Blick aus dem Fenster klar, dass heute eine Stadtbesichtigung im wahrsten Sinne des Wortes wohl ins Wasser fiel. Stattdessen besuchten wir das liebevoll eingerichtete Ölmuseum in Cisano und standen anschließend vor vielfach geschlossenen Türen eines Einkaufszentrums bei Affi, was zur Folge hatte, dass sich die Hälfte unseres Kurses schließlich bei McDonalds wiederfand.
Unsere Abfahrt vom Einkaufszentrum wurde dann jedoch durch kriminelle Akte hinausgezögert. Die Langeweile hatte wohl den ein oder anderen inspiriert, so dass (unauffälliger Weise) ein gelbes Schild (siehe rechts bzw. Bildergalerie) den Weg in unseren Bus fand, was jedoch auf Anweisung von ganz oben (Herrn Bünten) unter vollem Einsatz und bei strömenden Regen zurückgebracht werden musste. Der Regen hörte so langsam auf … und so besichtigten wir auf dem Rückweg zum westlichen Seeufer noch Peschiera und seine schönen Befestigungsanlagen.

Tag 5: Zwischen Mantua, Lotusblüten und dem Wasser des Mincio
Trotz regnerisch-durchwachsenem Wetter besichtigten wir an diesem Tag ausführlich die religiös geprägte Stadt Mantua. Unsere junge, dynamische, attraktive Stadtführerin Francesca Cargnoni begleitete uns danach noch auf eine Bootsfahrt durchs angrenzende große Naturschutzgebiet des Mincio bei Grazie de Curtatone – die Wallfahrtskirche vor Ort nahmen wir natürlich auch noch mit.

Tag 6: Zwischen übermäßigem Schönheitsschlaf und kollektivem Traubensaftkonsum
Als wir unsere Augen öffneten und hinaus blickten, sahen wir erneut graue Wolken, die den Himmel bedeckten. Trotzdem schleiften wir uns aus unseren Betten, duschten und frühstückten. Doch dann kam der erlösende Anruf: „Auf Grund der aktuellen Wetterlage wird die heutige Aktivität in den späten Nachmittag verlegt.“ Strömender Regen !!!
Das führte dazu, dass einer nach dem anderen im Tiefschlaf versank und erst um 2 Uhr mittags wieder erwachte.
Völlig entspannt und ausgeschlafen traten wir am Nachmittag zu Fuß! (Heinz hatte seinen freien Tag) den Weg hinunter ins Dorf an, wo ein Gläschen Wein jeden von uns erwartete. Wir besichtigten das Weingut vor Ort und testeten die lokalen Produkte – danach schauten wir uns noch den kleinen Ort Moniga und die bewohnte Burg genauer an.
Der Abend wurde diesmal in großer Runde in der Hotellobby und mit Mafiaspielen verbracht.

Tag 7: Zwischen der schwimmenden Stadt und der finanziellen Ebbe
Endlich stand der von vielen lang ersehnte Name Venedig auf unserem Programm. Allerdings zu ziemlich früher Stunde.
So schlurfte die eine Hälfte des Kurses teilweise sogar mit Kopfkissen bewaffnet zum Bus hin, in Erwartung die Fahrt nach Venedig schlafend zu verbringen, während die andere Hälfte schon wesentlich wacher die Fahrt mit einer DVD überbrücken wollte, was unweigerlich zu einem Konflikt führte, den die „DVD-Gruppe“ gewann, so dass die andere Hälfte versuchen musste trotz Tanzmusik zu schlafen.
Der Zauber von Venedig vereinte alle jedoch wieder. Die Sonne ließ sich zur Feier des Tages wieder blicken und perfektionierte somit den Tag. Vom Busparkplatz Tronchetto führte uns der Weg stilgerecht mit den Vaporetti zum Markusplatz und seinen Palästen.
Nach der informativen Stadtführung mit Giovanni Cadel, die natürlich nicht fehlen durfte, verstreuten sich die einzelnen Kleingruppen in den engen Gassen der Lagunenstadt.
Naja, wir können nicht behaupten, man hätte uns nicht gewarnt, aber ja: Venedig ist teuer – speziell um den Markusplatz! Angefangen bei 12% für den Service, über Terassenzuschlag bis hin zu Besteckgebühr war unser Portemonnaie nach dem Essen in Venedig um einiges leichter…

Tag 8: Zwischen Garda, Sirmione und „Koffer packen“
Unser letzter Tag am Gardasee führte uns zuerst zu einem italienischen Markt in Garda auf der östlichen Seite des Gardasees, auf dem man von Schmuck, über Schals bis hin zu Brillen allerlei Schnäppchen erstehen konnte.
Danach ging es auf die Halbinsel Sirmione, die mit köstlichem -aber teurem italienischem Gelatti- und einer fantastischen Aussicht lockte. Die Besichtigung des besterhaltenen Scaligerburg am Gardasee hatte Priorität. Allerdings lockte uns auch die in dieser Woche selten erscheinende Sonne zum Pool, was zu einem Konflikt mit Herrn Bünten führte, den es zu den Grotten des Catull lockte.
Bei all diesen Verlockungen kristallisierte sich langsam aber sicher die Antwort auf das große Geheimnis unserer Fahrt heraus.
Auf Grund von zahlreichen Verspätungen und Umwegen wurde unsere Woche in Italien von einer Frage dominiert: „Wo bleibt eigentlich Herr Bünten?“
Still murmelnd aus der letzten Reihe ertönte eine Stimme und antwortete leise: „Bestimmt wieder Geocaching…“ Dies steigerte unsere Aufmerksamkeit prompt und warf eine erneute Frage auf: „Was zum Henker ist Geocaching?“ Zur Erläuterung: Geocaching (von griechisch γη, geo „Erde“ und englisch cache „geheimes Lager“, auch GPS-Schnitzeljagd, ist eine Art elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd. Die Verstecke („Geocaches“, kurz „Caches“) werden anhand geographischer Koordinaten im World Wide Web veröffentlicht und können anschließend mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. (Wikipedia!)
Nachdem dann alle Geocachingaufgaben erfüllt waren und eine kleine Gruppe, die sich auf den Weg zu den Grotten gemacht hatte, zurückkehrte, fuhren wir schnell wieder zu unserer Anlage.
Den letzten Abend unserer Fahrt verbrachten wir erneut in der Hotellobby diesmal mit dem passenden Spiel: Ich packe meinen Koffer…

Tag 9: Zwischen Ferne und Heimat
Es ist traurig aber wahr, denn jede schöne Zeit ist einmal zu Ende, und so machten wir uns jetzt am Samstag, den 19.09.09 wieder auf die Heimfahrt über die Schweiz nach Deutschland.
Gequält von Stau auf deutschen Autobahnen (A 5) erreichten wir nach 17 Stunden und einem kurzen Stauabstecher über Frankreich doch wieder Düren, wo Frau Röther und unsere Familien uns sehnsüchtig erwarteten. Und nun war Abschied nehmen angesagt: Von Heinz, aber auch von Frau Schiffer und Herrn Bünten, mit denen wir neun Tage unheimlich viel erlebt und unheimlich viel Spaß hatten.

Das war also unsere Kursfahrt und zusammenfassend lässt sich doch feststellen, dass wir von allem ein bisschen hatten: Romantik und Politik, Harmonie und Stress, Schlaf und Schlaflosigkeit, Erwartetes und Unerwartetes und vor allem unheimlich viel Spaß!
Die Bilder in der Bildergalerie wurden von Benedict Titz aufgenommen und zur Verfügung gestellt.

Gonca und Lisa