Musikleben am Stift (1)

von Astrid Michels

Das Stiftische Musikleben der Jahre 1976 bis 1984 kenne ich nur aus Erzählungen und Archiv-Programmen:

Im Jubiläumsjahr 1976 wurde „Räuber und Gendarm“ aufgeführt. Nach dem Textbuch von Herbert Asmodi erklang eine Musik für Chor, Orchester und Jazzband, „zusammengeräubert, improvisiert, komponiert und collagiert“ von Musiklehrer Franz Ruf und seinen Schülern“. So war es im Textbuch zu lesen. Von Kunstlehrer Heinz Wassenberg geschaffene Scherenschnitte wurden zur Musik auf eine Leinwand projiziert.

Weiterhin ist das Programm des Konzerts vom 1. Dezember 1978 erhalten: Verschiedene Lieder aus dem „Ohrenvergnügenden und Gemüthergötzenden Tafelkonfekt des ValentinRathgeber“, selbige „ausgezieret“ durch Instrumentalstücke berühmter Zeitgenossen und „in Form eines Quodlibets zu Figuren verbunden und arrangiert“.

1980 folgte ein Konzert unter der Überschrift „Aus Großmutters Notenalbum“. Hier wurde ein Stück Vergangenheit musikalisch und bildnerisch lebendig: Stimmungsbilder, sentimentale Küchenlieder, Vaterlandslieder und Militärmärsche schufen ein akustisches Abbild der historisch bedingten Bewusstseinslage vor dem Ersten Weltkrieg. Sie wurden durch Kontraste und bildnerische Verfremdung in Frage gestellt.

Abermals gab es 1981 eine Gemeinschaftsproduktion zwischen den Fachbereichen Kunst und Musik: Im mittelalterlichen Mysterienspiel „Noah und die große Flut“ von Benjamin Britten schuf Heinz Wassenberg mit SchülerInnen der Jahrgangsstufe 12 die bildnerische Gestaltung, und Franz Ruf leitete das um eine Solo-Streichquintett und ein Schlagzeugensemble  erweiterte Schulorchester sowie den Schulchor. Für den Gesangspart der Titelrolle konnte H. A. Billig, Mitglied des Kölner Rundfunkchores,  gewonnen werden.

Das Programm des Konzerts von 1983 enthält zum ersten Mal einen Beitrag der neuen Kollegin Gisela Dorn: Mit dem Unterstufenchor führte sie „Quix und Quax, eine menschliche Froschballade für Chor und Klavier“ auf. Im Anschluss daran erklangen anspruchsvolle Stücke aus Barock und Klassik, dargeboten vom Oberstufenchor sowie guten Instrumentalisten unter den Schülern der Oberstufe: Chichung  Lie, Violine,   Rudolf  Leufgens, Oboe,   Ricarda Merker, Flöte,  Bruno Hofer, Klarinette,   Peter Hertling, Horn,  Jörg Wassenberg, Fagott.

Im Sommer 1984 lud das Stiftische Gymnasium zu einem Kammermusikabend ein, der überwiegend von AbiturientInnen dieses Jahres gestaltet wurde: Heinz Beck, (Klavier)   Bruno Hofer, (Klarinette) Berthold Ruf, (Cello), Jörg Wassenberg, (Fagott), Peter und Claus Hertling, (Horn) und Antje Flick (Klarinette). Zusätzlich wurde am Fronleichnamstag ein geistliches Konzert in der Pfarrkirche von Nideggen gegeben.

Die Jahre 1984 bis 89 brachten Aufführungen unterschiedlichster Art: abermals geistliche Konzerte sowohl in der Kirche St. Victor in Hochkirchen als auch in der Pfarrkirche von Nideggen, Kammerkonzerte im Musiksaal mit  Werken von Haydn, Mozart, Beethoven und Brahms, in denen nach dem Weggang von Gisela Dorn jetzt die beiden Musiklehrer Franz Ruf und Astrid „Breuer“, mit fortgeschrittenen Schülerinnen und Schülern der Oberstufe musizierten. Verstärkt finden sich Beiträge von Bläserensembles: Blechbläserquintette, Klarinettenquartette und Flötentrios. In der Aula gab es Konzerte mit dem damals noch von Franz Ruf geleiteten Streichorchester und seinem Vokalkurs sowie einem von mir geleiteten  kleinen Blasorchester und dem Unterstufenchor. Letzterer bot im April 1989 die Szenische Kantate „Die Heinzelmännchen von Köln“ dar, unterstützt von Instrumentalisten der damaligen Klasse 8A, die sich während ihrer gesamten Schulzeit durch erhöhte musikalische Aktivität auszeichnete. Barbara Vaassen schuf dazu mit SchülerInnen ihrer Klasse 6A eine drollige Pantomime, die damit endete, dass ihre Heinzelmänchen zum Schluss der Vorstellung Brezeln und Würstchen  im Publikum verteilten.

Von Herbst 1989 bis zum Sommer 1994 sah sich Herr Ruf gezwungen, das Musikleben der Schule weitgehend alleine aufrecht zu halten, da ich mich in diesen Jahren familiären Aufgaben widmete

Ich betreute ich lediglich weiterhin ein kleines Blasorchester, welches beim alljährlichen Turmblasen zu Heiligabend sowie bei vielerlei schulischen Anlässen aufspielte. Nach und nach wuchs die Zahl der Mitglieder und nach einem Probenwochenende im Januar 1994 in der Jugendherberge von Monschau hatten wir hinreichend viele Stücke für ein kleines Konzert im Musiksaal erarbeitet.

Als ich im Sommer 1994 meinen regulären Schuldienst wieder aufnahm, war die Zeit reif zur Gründung eines Schulorchesters. Streicher, Bläser und Schlagzeuger wurden im Januar 1995 zur ersten gemeinsamen Orchesterfahrt nach Steckenborn eingeladen. Zum ersten Mal fand statt, was in den kommenden Jahren Tradition sein würde: Zusammen mit Kollegin Uta Küsgens, etwa 35 Schülerinnen und Schülern sowie einem Berg von Gepäckstücken, bestehend aus Instrumentenkoffern, Pulten, Privatgepäck und Kisten und Kästen mit Lebensmitteln und Getränken brachen wir in das „Caritas-Erholungsheim“ nach Steckenborn auf, von wo wir regelmäßig alles andere als erholt zurückkamen. Cirka 20 Stunden Proben in drei Tagen waren und sind die Norm. Dazwischen wird gekocht und gegessen, je eine Instrumentengruppe ist für eine Mahlzeit zuständig: die „Celli“ für das Frühstück, die „Flöten“ für das Mittagessen …

Im Laufe der Jahre machten wir so manche kulinarische Erfahrung.  Manchmal reicht die Energie auch für einen kleinen Spaziergang, und abends geht man natürlich zum gemütlichen Teil über, der ja nicht so schnell enden darf. Am nächsten Tag dann wieder proben …

Seit einigen Jahren ist auch Gerhard Kohleick mit von der Partie, an einem der Tage kommt er zu uns und trainiert unsere Geiger. Dann wird es zwar zunächst etwas ungemütlich für die Geiger, aber sowohl sie wie ich schätzen Herrn Kohleicks Streicherkompetenz.

Im Jahr 2000 wuchs das Orchester so stark, dass wir unser geliebtes Steckenborn gegen das Pfadfinderhaus in Ahrhütte eintauschen mussten, wo wir uns jedoch genauso wohl fühlen. Wir passen mit unserem enormen Gepäck (allein das Schlagzeug …) nicht mehr alle in einen Bus, so dass wir zusätzliche Fahrgelegenheiten benötigen.

Seit 1995 wurde regelmäßig ein großes Schulkonzert im Frühjahr jeden Jahres durchgeführt

Die Programme des Schulorchesters in diesen sieben Jahren seines Bestehens waren vielfältig. Meistens erarbeiten wir eine Mischung von Beiträgen aus Barock, Romantik, Filmmusik und Musicals. Höhepunkte waren Stücke aus den „Bildern einer Ausstellung“, „Music“, ein Medley aus „A Chorus Line“, „Moment for Morricone“ sowie der 1999 aufgeführte „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens,  zu dem SchülerInnen der damaligen 8B unter der Regie ihrer Klassenlehrerin Anne Bodden den bekannten Text von Loriot sprachen. Hiermit war für das Schulorchester ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Viele von denen, die das Orchester mitgegründet hatten, waren mittlerweile der Schule entwachsen, neue, wesentlich jüngere Mitglieder nachgerückt. Inzwischen ist die Talsohle durchschritten, und am 30. April 02 gaben wir ein schönes Konzert, bei dem im Orchester 57 MusikerInnen mitspielten. Höhepunkte der Orchesterdarbietungen an diesem Abend waren drei Stücke aus Tschaikowskys „Schwanensee“.

Bei den Schulkonzerten im Frühjahr jeden Jahres spielte natürlich nicht nur das Schulorchester: zusätzlich sangen der Unterstufen- und Oberstufenchor, und 1997 zeichnete Herr Ruf in seinem letzten Schulkonzert für Francis Poulencs „Geschichte von Barbar, dem kleinen Elefanten“ verantwortlich, bei der fünf SchülerInnen im Wechsel den Klavierpart übernahmen.

Vier Konzerte veranstaltete ich mit Michael Röttger, einem Kollegen mit großer Chorerfahrung. Im Frühjahr 2000 bot er mit 57 Sängerinnen und Sängern aus Schülern, Kollegen, Ehemaligen und Freunden der Schule Chorstücke aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ dar, die die Zuschauer in der vollbesetzten Aula zu Begeisterungsstürmen hinrissen.

Im Sommer 2000 verließ  Michael Röttger das Stiftische Gymnasium und wechselte an eine Schule in seiner Heimat im Westmünsterland.

2000 richteten wir erstmals einen  instrumentalpraktischen Kurs in der Jahrgangsstufe 12 ein. Eine bunt gewürfelte Mischung von Instrumenten kam zusammen: Klavier, Gitarre, verschiedene Blasinstrumente, Akkordeon ….. Wir absolvierten gemeinsam einen Grundkurs im Schlagzeug-Spiel und versuchten uns schließlich an Bigband-Arrangements. Damit sowie vor allem mit dem selbstarrangierten Stück „Erin Shore“ von The Corrs gewann die Gruppe beim Schulkonzert sowie bei der Abiturfeier auf Anhieb das Publikum für sich.

Als dieser Instrumentalkurs auslief, stand die Idee der Gründung einer jahrgangsstufenübergreifenden Bigband im Raum, und da im Schulorchester der Anteil von Bläsern, vor allem von Saxophonisten und Blechbläsern sehr hoch geworden war, lag es nahe, für sie ein eigenes Ensemble zusammenzustellen. Die erforderliche Rhythmusgruppe war schnell zusammengestellt, und so war im Schulkonzert 2001 war zum ersten Mal die neugegründete Bigband zu hören. Ihr gehören jetzt 23 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 13 an. Unser derzeitiges Paradestück: „California Dreaming“.

Eine weitere Neuheit für das Stiftische Gymnasium gab es am 1. und 2. März 2002: insgesamt 105 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 und 6 führten das erste Musical am Stiftischen Gymnasium auf. Ein „Grusical“, so hieß es korrekt und entsprechend gruselig war die ehrwürdige Aula hergerichtet. Unter der Leitung von Markus Mönkediek, der im Sommer 2000 für Michael Röttger ans Stift gekommen war,  sang der 85köpfige Gespensterchor mal verhalten und gespenstisch klingend , mal schwungvoll und begeisternd.  Begleitet wurde er vom Instrumentalkurs der Jahrgangsstufe 12, den in diesem Schuljahr ebenfalls Herr Mönkediek unterrichtet.. Die Regie auf der Bühne führte Christina Hembach, Klassenlehrerin der Klasse 5c, und seit Sommer 2000 Lehrerin am Stiftischen Gymnasium. Ihre muntere Truppe bot ein buntes einfallsreiches Schauspiel, in dem der Flaschengeist von Schloss Eulenstein seinen 1000. Geburtstag feierte. Für das Bühnenbild sowie für die Requisiten zeichnete eine Gruppe von Eltern der jungen Sänger und Schauspieler verantwortlich. Sicher wird es nicht bei dieser einen gemeinsamen Produktion bleiben.