Theaterarbeit und kulturelle Aktivitäten seit den 80er Jahren

von Franz Schrott

Anfang der achtziger Jahren begannen die damaligen „Junglehrer“ Rolf Löhrer und Franz Schrott mit ihren kulturellen Aktivitäten und Initiativen:
Herr Löhrer rief den Filmclub ins Leben, der u.a. zum Ziel hatte, Schülern, die in Düren selten auf ein Filmkunstangebot zurückgreifen konnten, anspruchsvolle Filme in Kinoqualität zu zeigen. Der Filmclub organisierte also in der Aula, im Musiksaal und im Kunstsaal regelrechte Kinovorführungen. Die Ausleihe geschah meist über den großen Atlas-Verleih und war gar nicht so einfach: Die 16-mm-Rollen mussten vom Bahnhof abgeholt werden und gleich nach der Vorführung (wegen der Ausleihkosten) gleich wieder dorthin zum Expressgutschalter gebracht werden! Die beiden aktivsten Schülerinnen: Hilde Hages und Isa Wolter.
Die Vorstellungen waren richtige Kino-Highlights! Ich erinnere mich an Truffaut-Filme, an Woody-Allen-Komödien, an klassische Western, Musikfilme („The Wall“) und große Literaturverfilmungen („Der Prozess“ von Orson Welles nach Kafka und „Tod in Venedig“ von Visconti nach Thomas Mann). Ein Problem war immer: Wie kriegen wir den Sound hin. Die SV schleppte große Boxen an und „friemelte“ stundenlang. Wichtig waren natürlich auch die Nachbesprechungen, aber da blieben meist nur die Insider. 
Anfang der achtziger Jahre initiierte ich die „Literaturkreis“-AG für Schüler ab Klasse 10. Thematisch gebundene Reihen, nach Vorschlägen des Lehrers und Schülerinteresse ausgewählt, wechselten sich ab. Man tagte im relativ schmuddeligen Oberstufenaufenthaltsraum und saß auf den sperrmüllreifen Sofas. Vom Niveau her mussten wir uns aber nicht verstecken, und Literatur sollte aktuell und lebendig sein: Der ehemalige Stift-Schüler und große Autor Dieter Kühn beehrte uns z.B. mit seinem Besuch. Dann gingen wir zu Leseabenden, die der damalige Buchhändler Utz Brashivka organisiert hatte (mit Ulrich Plenzdorf etwa oder dem jungen Ronald Schernikau, der früh sterben musste). Wir hatten aber auch einen Schüler, der seine ersten Gedichte in bellendem Stakkato bei uns im Keller las: Michael Lentz. Wir – das ist sicher! – haben seine Größe erkannt, während die Dürener Provinz noch die Nase rümpfte! Die Aktivisten dieser AG sollen ruhig mit Namen genannt werden: Elisabeth und Hilde Hages, Jürgen Zehnpfennig, Jörg Hackmann und der legendäre Paul Geller. 
1988 schließlich (die oben genannte Schülergeneration hatte die Schule verlassen) unternahm eine neue Gruppe das Experiment einer Szenischen Lesung zum Thema „Gewalt“. Ausgewählte Texte klassischer und moderner Autoren wurden kontrastiert mit passender Musik und Diaprojektionen; dieser revuehafte Vortrag beschäftigte sich nicht zuletzt mit der Ästhetisierung von Gewalt. Die Darbietung ging sicher unter die Haut (unserem damaligen Schulleiter war sie wohl allzu intensiv). Frau Dr. Eimert vom Hoesch-Museum (sie förderte auch Micheal Lentz) zeigte freilich großes Interesse, und so fand mit großem Erfolg eine zweite Aufführung im Museum statt. Teilnehmende Schüler waren unter anderen: Ralphy Dreher, Alexandra Ludewig, Michael Dettmeier und Rosi Lellmann.


Anfang der neunziger Jahre ging die Regiestafette vom Reuter – Pliestermann – Team allmählich zu Löhrer und Schrott über. Dazwischen lag aber eine beinahe schon legendäre Musical-Aufführung von Frau Bröcker: „Hair“. Obwohl im Playback-Verfahren produziert, rissen die Darsteller das Publikum der voll besetzten Aula von den Stühlen: Mohandas Schmitz und Melanie Ercken waren die Superstars! Überhaupt kann man sagen, dass sich an unserer Schule mit den Jahren eine Tanz-Tradition entwickelt hat. Frau Vaassen hat mit den von ihr einstudierten Darbietungen bei den Abiturfeiern erheblich dazu beigetragen, Frau Bröcker hat es mit besonderem Bezug zu berühmten Musicals fortgesetzt, und schließlich ist die Stafette bei Nadja Ockenfels, unserer ehemaligen Schülerin und Referendarin angekommen. 
Zu Löhrer und Schrott muss man sagen, dass sie im Aachener Underground-„Theater 99“ heimlich „übten“. Dort entstanden witzige Produktionen mit dem „Stiehlbruch-Team“, das mittlerweile auf den „Strunx-Sitzungen“ kabarettistisch glänzt.
Wenn ich mich recht erinnere, begann Herr Löhrer zusammen mit Frau Hackmann Mitte der 80er Jahre mit einem bunten und spontanen Improvisationstheater. Manchmal wurde sogar der Schulhof zur Bühne eines Straßentheaters! Die Spielfreude der Truppe wirkte ansteckend und fand viel Beifall.
Die Liste der Literaturkurs-Aufführungen ist lang und kann hier nicht vollständig beschrieben werden. Von Rolf Löhrer hat mir persönlich am besten „Hilletje Jans“ gefallen. Das war buntes, sinnliches Theater über ein kleines Mädchen im alten Amsterdam, das es – verkleidet als Junge – zum gefürchteten Kapitän bringt. Ein Schiff auf der Bühne! Und Freya de Bock in der Hauptrolle! Die Bühnefotos im Foyer lassen den Zauber erahnen.
Von meinen Inszenierungen ist mir der „Sommernachtstraum“ in bester Erinnerung: ein super Team! Till Fischborn als wilder Puck auf der Schaukel (2002 machte es Katharina Thalbach am Berliner Ensemble ebenso), und Dagmar Schaedel als unvergesslicher Zettel.
Ein Höhepunkt stiftischen Kulturschaffens war dann natürlich die „Dreigroschenoper“, eine Ko-Produktion meines Literaturkurses mit dem Instrumentalpraktischen Kurs von Astrid Michels. Wie viele Überstunden! Aber alle zogen an einem Strang! Ohne Arno Junghärtchen, der schon in der 13 war und Abi machte, hätte es nicht geklappt: Er war Mackie Messer! Und Anke Lövenich war Polly. Und Pascal Brenner war Peachum. Und Christina Hütten verführte die Männer als Seeräuber-Jenny. Und wir machten drei Aufführungen, als erste Theater-Gruppe auch im ausverkauften „Haus der Stadt“. So etwas kommt nicht so schnell wieder…

Eine schöne Shakespeare-Aufführung u.a. mit Tom Wahlen in einer Hauptrolle zeigte 1998 der Literaturkurs von Frau Bröcker. Im Jahr 2000 gab es ein Novum: gleich drei (!) Literaturkurse, und alle drei legten eine gelungene Aufführung auf die Bretter der Aulabühne. Das bedeutete Terminstress: Wer darf wann in der Aula proben – wer darf mit dem Bühnenbild anfangen – usw. usw. Vier Lehrer (Frau Vaassen bereitete ja wie immer die Abiturfeier vor) mussten sich einigen; und es klappte beinahe reibungslos.
2001 dann experimentelles Theater am Stift: „König Ubu“ von Alfred Jarry mit einem wilden, ungestümen und oft improvisierenden Sebastian Fink in der Hauptrolle (Literaturkurs von Frank Pliestermann).
2002 erwachte „Faust“ wieder am „Stift“, diesmal als Revuetheater; in der Erkenntnis, mit Schülern nicht Will Quadflieg oder Elisabeth Flickenschild imitieren zu können, machten wir aus dem Stück, was es ja durchaus auch ist: einen Bilderreigen „vom Himmel durch die Welt zur Hölle“ – mit vielen musikalischen Einlagen (IP-Kurs von Herrn Mönkediek). Die Hauptrollen waren besetzt mit: Alter Faust: David Gudisch; junger Faust: Andreas Hourtz; Gretchen: Melanie Scheeben; Frau Marthe: Kathrin Schaefer bzw. Christina Heine. 
Ohne eine andere Schülergruppe hintan stellen zu wollen, möchte ich von meinen eigenen Literaturkurs – Inszenierungen der letzten Jahre das Nibelungen-Stück herausstellen. Die Entscheidungen für den Stoff, das Stück und den Ort fielen natürlich zusammen: Diese Truppe des Literaturkursjahrgangs 2003/04 hatte es sich in den Kopf gesetzt, eine Freilichtaufführung am Dicken Turm der Stadtmauer auf die Beine zu stellen. Andere Theatergruppen unserer Schule hatten diese Idee natürlich auch schon, es ließ sich wegen des Lärmpegels von der Stürtzstraße her aber nicht durchsetzen.
Die besondere technische Hilfestellung des Vaters von Kai Kreisköther aber machte es jetzt möglich, bei den Hauptdarstellern mit drahtlosen Funkmikrophonen zu arbeiten. Weitere Herausforderungen wurden mit Schwung in Angriff genommen: Mathias Kuhn, unser alter Freund und Helfer vom WDR tauchte die nächtliche Szene zwischen Dickem Turm und Stadtmauer in ein stimmungsvolles Licht; die Waffenkammer der Kölner Oper lieh uns (ausnahmsweise) für das mittelalterliche Spektakel Lanzen, Hellebarden und Harnische; Frau Dr. Peill sorgte für ein lebendiges Pferd, auf dem Brünhilde dann Einzug in Worms hielt. Ganz engagiert waren die Schülerinnen und Schüler diesmal bei der Textarbeit und der geistigen Aufarbeitung des Nibelungenstoffes. Der tolle Aufsatz von Philipp Latz, unserem Siegfried, im Programmheft („Moritz Rinkes „Die Nibelungen“ – Epos, Rezeption & Moderne“) gibt Zeugnis davon. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass diese Aufführung vom Architekten des Hauptgebäudes, Herrn Karl-Theodor Atzpodien, der jetzt schon über 90 Jahre alt ist, mit großem Interesse verfolgt wurde. Atzpodien hatte seinerzeit bei der Gestaltung der Freifläche vor dem Dicken Turm ganz direkt an die Möglichkeit von Freiluftaufführungen gedacht.
Eine sehr wichtige Person darf bei allem nicht unerwähnt bleiben: Harald Frings, der „gute Geist“ unserer Aula. Schon als Vierzehnjähriger bediente er das Regiepult; er war uns annähernd 15 Jahre verbunden! Viele Aufführungen und beinahe alle Abifeiern beleuchtete er, der jetzt an großen Musical-Theatern arbeitet, ganz professionell. Bis 2006 stand uns auch sein alter Freund Mathias Kuhn, Beleuchtungsmeister beim WDR,  regelmäßig zur Verfügung.  Nicht unerwähnt soll das Engagement vieler Schüler in der Technik-AG bleiben. Hier haben sich diese Schüler besonders engagiert: Michael Memmersheim, Rainer Lüssem, Sebastian Esser, Christian Ehser und der leider viel zu früh verstorbene Franz Irnich. Ihrer Arbeit ist es u.a. zu verdanken, dass die Vorbühnenbeleuchtung der Aula kein Provisorium mehr ist.
Die ehrwürdige, altgediente Aula selbst ist jetzt bald 60 Jahre alt. Endlich konnte im Jahr 2002 eine durchgreifende Renovierung der Licht- Bühnen- und Sicherheitstechnik in Angriff genommen werden. Ohne eine große Sponsoring-Aktion (Dank allen Beteiligten, vor allem vielen Eltern!) wären die umfangreichen Arbeiten nicht möglich gewesen. 
Seit einigen Jahren finden die Theateraktivitäten eine sehr schöne und sehr aktive Fortsetzung in der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen Christina Hembach, Markus Mönkediek, Robert Will, Anne Buß und Ruth Floßdorf! So konnte der Stab weitergegeben werden, und die Aula ist lebendig wie eh und je.