Auftaktveranstaltung zur 4. „Langen Nacht der Poesie“

„Lass hören“: Wenn Schwäne hinter Spiegel blicken…

Auftaktveranstaltung zur 4. „Langen Nacht der Poesie“ mit Gerhard Quitmann und Prof. Dr. Michael Braun am Stiftischen Gymnasium

„Da stört mich das ,und’ in der fünften Reihe der ersten Strophe.“ Diese kritische Bemerkung zu Friedrich Hölderlins berühmten Gedicht „Hälfte des Lebens“ stammt nicht von den Teilnehmern der beiden Deutsch-Leistungskurse, die im Vorfeld der 4. „Langen Nacht der Poesie“ mit dem Initiator des Lyrik-Festes Gerhard Quitmann (Kunstförderverein Kreis Düren) und Prof. Dr. Michael Braun (Universität zu Köln, Konrad-Adenauer-Stiftung) zusammentrafen, um sich intensiv mit Gedichten zu beschäftigen. Vielmehr war es Gottfried Benn gewesen, der die Verstörung formuliert hatte, welche die Schüler zu einer genaueren Lektüre des lyrischen Textes animieren sollte. Sicher öffnete der geschulte Blick des Germanistik-Professors Michael Braun den jungen Lesern neue Perspektiven, etwa auf das Hölderlin´sche Bild von den Schwänen, die sich nicht nur auf der Wasseroberfläche spiegeln, sondern ins Wasser eintauchen und so gleichsam hinter den Spiegel blicken. Hatte Andreas Thalmayer vor einigen Jahren ein wunderbares Buch mit dem provokanten Titel „Lyrik nervt“ vorgelegt, so erfuhren die Schüler das Gegenteil. Gerhard Quitmann erläuterte, wie er als Jugendlicher seine Liebe zur Lyrik entdeckte, als er im Bücherschrank seiner Großmutter zwei Reihen kostbar eingebundener Bände deutscher Lyrik ausgemacht hatte, die ihn fesselten. Viele Jahre später hatte er die Idee, ein großes Lyrik-Fest in Düren zu veranstalten. Der Kunstförderverein Kreis Düren trägt es in diesem Jahr zum vierten Mal aus und wieder sind prominente und gewichtige Stimmen vertreten: Nora Bossong, Manfred Peter Hein, Doris Runge, Nancy Hünger, Marion Poschmann und Jan Volker Röhnert sowie der diesjährige Ehrengast Günter Kunert, eine der ganz großen Lyrikstimmen unserer Zeit.

Einige der Autoren lesen dabei nicht zum ersten Mal in Düren, denn sie waren in vergangenen Jahren bereits Einladungen zu Veranstaltungen des Kunstfördervereins gefolgt, der sich in besonderem Maße engagiert, um junge Menschen für Literatur, besonders für Lyrik, zu begeistern. Erst vor einer Woche hatten Schülerinnen des Stiftischen Gymnasiums Gelegenheit, an einem literarischen Workshop mit der Lyrikerin Iris Schürmann-Mock teilzunehmen, für den der Kunstförderverein als Sponsor aufgetreten war. Im ABC- Wettbewerb „Aus Büchern Chancen machen“, bei dem das Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW „Jugendstil“ in Dortmund als offizieller Träger fungierte, hatten die Jugendlichen im Sommer mit ihrem Projekt „Leselupe“ den ersten Preis gewonnen, welcher ihnen in Anwesenheit der Projektleiterinnen Dr. Elke Fettweis und Manuela Hantschel offiziell überreicht worden war. Für das kommende Wochenende hat Gerhard Quitmann nun Schülern der Deutsch-Leistungskurse der Qualifikationsstufe 1 und 2 die Möglichkeit eingeräumt, gemeinsam mit ihren Kursleitern Dr. Achim Jaeger und Robert Will vor Beginn der „Langen Nacht der Poesie“ ein Autorengespräch mit Nora Bossong und Jan Volker Röhnert zu führen.

Zur Einstimmung statteten die Organisatoren des Literaturfestes, Gerhard Quitmann und Prof. Dr. Michael Braun  nun den Schülern am Stiftischen Gymnasium einen Besuch ab – ebenso wie am gleichen Tag auch Schülern in Vossenack und Jülich. Das „Warm up“ machte die jugendlichen Leser und künftigen Zuhörer mit den unterschiedlichen Schreibarten und Literaturkonzepten der eingeladen Autoren vertraut und bot einige Kostproben ihres Schaffens. Ein Rückbezug auf den Auftritt von Michael Lentz bei der letzten „Nacht der Poesie“ ermöglichte schließlich einen Blick auf die vielfältigen Möglichkeiten experimenteller Lyrik der Gegenwart. Das Interesse für die 4. „Lange Nacht der Poesie“ ist geweckt – die Einführung in Leben und Werk der hochkarätigen Gäste macht neugierig auf mehr.