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Wer hat Mut zur Wildnis

Wer hat Mut zur Wildnis ?

Der 8er Ökologiekurs verbrachte einen Projekttag in der Wildniswerkstatt des Nationalpark Eifel in Düttling (Heimbach)

Wer hat Mut zur Wildnis? Diese Frage wurde heute (12.07.10) den ganzen Tag über immer wieder aufgeworfen. Nach einer kurzen Busfahrt vom Stift in Düren über die B56 Richtung Gemünd fanden wir in Düttling das Ziel unseres Projekttages.
Am östlichen Rand des Nationalpark Eifel gelegen ist die Wildniswerkstatt Düttling Anlaufpunkt für abenteuerlustige Schulklassen und – kurse. Nachdem wir uns einige Wochen im Unterricht mit dem Nationalpark Eifel intensiv beschäftigt hatten, stand nun heute die originale Begegnung im Vordergrund.
Um 9.15 Uhr erwartete uns Ranger D. Minio an der Bushaltestelle in Düttling und sofort ging es los. Nach einer kurzen Einführung unter schattigen Bäumen zum NP Eifel wanderten wir zu den zentralen Gebäuden der Wildniswerkstatt und verstauten unseren für die Mittagspause mitgebrachten Proviant möglichst kühl.

Vier verschiedene Ansätze, Wildnis zu „leben“, zu „erforschen“ „gestalten“ zu lassen oder „wahrzunehmen“ werden im Angebot in einem „Wildnismix“ berücksichtigt – so also das Programm für heute: WILDNISMIX mit Ranger MINIO für 27 abenteuerlustige Ökologen aus dem Differenzierungsbereich 8 und Herrn Bünten.
Nun ging es direkt in die umgebende Wildnis und erste Aufgaben waren zu lösen. Auf dem Wege wurde natürlich jeder Baum am Wegesrand erläutert und kein Insekt das unseren Weg kreuzte übersehen. Offenbar wurden schon hier die Begehrlichkeiten eines Insekten(fr)essers geweckt. Leckere Blaubeeren wurde von einer größeren Zahl der Gruppe nun den ganzen Tag über vertilgt – auf die möglichen Gefährdungen durch Fuchsbandwurm etc. war natürlich hingewiesen worden.
Unter schattigen Bäumen dann unsere erste größere Aufgabe: 27 ca. drei Meter lange Seile wurden um ein zentrales ringförmiges Seil zu einem Spinnennetz geflochten. Nachdem wir das Gleichgewicht der Gruppe getestet, Parallelen zur menschlichen Gesellschaft oder auch dem ökologischen Netzwerk im Wald gezogen hatten, wurden nun besonders mutige Mitschüler auf dem zentralen Seil in die Höhe katapultiert. Tja, der Mut sank dann doch bei dem ein oder anderen Schüler rapide – korrelierend mit der Höhe, die er durch die Kräfte der Gruppe erreichte. Selbst größere Körper von Lehrpersonen erreichten mehrere Meter über dem Boden.

  

Weiter ging es zu Tierbauten im Wald (Dachs). Der mögliche Wetterschutz (Regen – Kälte) dieser Bauwerke war schon interessant. Hier war der Indikator für die „Intensität des Mutes“ nun die Tiefe mit der man seinen Körper blind in den Bau hinein schob. Wie gesagt, man sah nicht was sich alles an Lebewesen im Bau befand und einiges hatten wir ja schon am Wegesrand und im Unterholz entdeckt. Die beiliegenden Photos zeigen die Kandidaten, die sich trauten.

  

Nun kam der Klassiker unter den Sinnes- und Vertrauensspielen: Ein Partner wurde mit einer blauen Augenklappe seines Augenlichtes beraubt und der Zweite geleitete ihn durchs Unterholz. Mut und Vertrauen zu seinem Partner waren gleichermaßen gefragt – das Gelände wurde zunehmend schwieriger und sogar wassergefüllte alte Bombentrichter waren zu umgehen. Da keiner hineinfiel kann man konstatieren, dass das Vertrauen in keinem Paar missbraucht wurde und die Sinne nunmehr hinreichend geschult waren

  

Die Rast im Walde brachte nun wieder zahlreiche Tierfunde aufs Tableau – der Frosch von Niklas sei nur exemplarisch erwähnt. Er wurde aber von unserem Feinschmecker nicht gegessen ! Nachdem die Körperkräfte mit Speis und besonders Trank erfrischt waren kamen die blauen Augenklappen erneut zum Einsatz. Ein sehender Partner führte den Blinden zu einem größeren Baum im Umfeld und der „blinde“ Partner musste den Baum dann im Anschluss genau wieder finden. Inzwischen mit den Sinnen geschult gelang den meisten doch recht problemlos die Lösung.

  

Nun kam der erste spielerische Höhepunkt des Tages:
Ein Spiel mit einer Jägerin auf dem Hochsitz und dem Wild (26 Rehe) im Wald. Der Jäger durfte nur durch sein Fernglas schauen, Tiere (seine Mitschüler) die er persönlich mit Namen ansprechen konnte waren durch die Ansprache erlegt, gelang es diesen jedoch sich unerkannt bis zum Hochsitz anzuschleichen waren sie gerettet. Eigentlich ein einfaches Spiel – aber die Technik und das Gelände begeisterten offenbar so sehr, dass keiner der Schüler bereit war freiwillig weiter zu ziehen.
Tja, von höherer Seite blies es nun aber ganz gewaltig in die Baumwipfel und unser Ranger Herr Minio wie auch Herr Bünten wollten umgehend eine nahe Schutzhütte aufsuchen. Somit war das Spiel durch die Sturmböen der vorbeiziehenden Gewitterzellen beendet und es wurde kein evtl. weitergehender Mut getestet. Parallel waren ja schon in Düren/Jülich einige größere Bäume umgestürzt – wie der Anruf einer besorgten Mutter wenig später belegte. Wir hatten aber vergleichsweise geringere Wetterunbilden auszuhalten.

  

Schnell wurde auf dem Weg noch etwas Fichtenreiser gesammelt. In der Schutzhütte bzw. an der dortigen Feuerstelle kam nun der Programmpunkt: „Feuer herstellen ohne Streichhölzer und Feuerzeug“. Mit einem Schlageisen und einem Feuerstein, der Anleitung unseres Rangers, sowie gekohlten Stoffresten gelang dies Cem und Carlos in kurzer Zeit.

  

Herr Bünten und eine Gruppe weiterer sechs Schüler hatten sich inzwischen auf den Weg gemacht, den Brotteig anzurühren und die gekühlten Würstchen zu holen. Eine Dreiviertelstunde später kamen sie mit großen Schüsseln von angerührtem Brotteig und Würstchen nebst Bollerwagen mit Hängematten zurück. Das Feuer in der Feuerstelle hatte inzwischen eine ansehnliche Glut und Größe erreicht.
Die Holzlanzen (2m lange Haselnußäste) mit denen wir nun Würstchen und Brot grillen wollten lagen längst bereit.

  

Das Mittagessen konnte beginnen. Selbst gegrillte Würstchen und Brot stellten den Hauptteil der Mahlzeit – über eine Stunde verbrachten wir so im Walde. Zur Verdauung wurden nun die Hängematten aufgebaut und meist mit zwei Schülern belegt. Wildes Schaukeln und ruhiges Genießen konnten beobachtet werden – so kann man die Seele baumeln lassen und hervorragend die Wildnis genießen. Ansonsten wurden so ziemlich alle weiteren Ruhemöglichkeiten im Gelände genutzt.

  

Nach der Mittagspause ging es weiter zu einem aufgestauten Bachlauf in der Nähe. Die Erzählungen unseres Rangers über vor einiger Zeit hier badende Gruppen stellten die Ohren bei einigen Schülern hoch und plötzlich schwamm Leo im See - umgeben von gesunden Forellen. Minuten später war die Zahl auf sieben Schwimmer angewachsen, der Teich gut aufgewühlt und die Schwimmer bei den tropischen Außentemperaturen mehr als abgekühlt. Abtrocknen, den Bollerwagen gesattelt und weiter im Gelände war nun die Devise.

  

Wenige hundert Meter entfernt im Wald ein neuer Sinnestest, diesmal Schwerpunkt klar auf dem Gehör - umstehende 27 Katzen und eine zentrale arme Maus im Mittelpunkt. Die Maus mit Augenklappe und Wasserzerstäuber versehen, stand in der Mitte und lauschte auf die sich anschleichende Katze. Hörte die Maus richtig und konnte die Katze lokalisieren und mit dem Wasser treffen - hatte sie überlebt. Gelang es der Katze aber die Maus ohne Wassertreffer zu berühren, war das Schicksal der Maus besiegelt. Meist überlebte die Maus, aber häufig wurde auch dieselbe durch „hinterhältige streunende Katzen“ in der Umgebung in der Geräuschkulisse verwirrt und somit zum Tode verurteilt.

  

Die Karawane zog weiter und wir gelangten zu einem lichten Kiefernwald mit einer abgesägten zentralen Kiefer im Mittelpunkt.
Hier nun der zweite spielerische Höhepunkt auf dem erlebnisorientierten Sektor: Vier Wölfe wurden auserwählt (mit Augenklappen erstmal nicht sehend gemacht) und 23 Rehe zum Verstecken aufgefordert. Dann ging die Jagd - der nun wieder sehenden Wölfe - los. Diesmal durften die Rehe aber erst aufspringen und versuchen den zentralen FREIbaum im Zentrum zu erreichten, wenn ein Augenblickkontakt (zwischen Reh und Wolf) hergestellt war. Eben so wie es Rehe auch in der Natur machen - bis zum letzten Moment sitzen bleiben. Zuerst kamen recht viele Rehe durch und „überlebten“ - mit zunehmender Spieldauer wurden die Jagdtechniken der Wölfe zunehmend perfider und so etwas wie eine Totenwache am zentralen Baum eingeführt, die Zahl der überlebenden Rehe war nun stark reduziert.

  

Wieder bekamen die SchülerInnen kein Ende, aufgeschürfte und zerkratzte Beine, Dreck am verschwitzen Körper und von Harz verklebte Hände und Hosen waren Nebensache - nur die Uhrzeit 16.00 Uhr und der auf uns wartende Bus sorgten für das Spielende.

Über die zentralen Einrichtungen der Wildniswerkstatt führte uns der Heimweg zur Bushaltestelle. Ranger und Schüler verabschiedeten sich mehr als freundlich, das große Vertrauen untereinander und der Mut der Schüler sich auf alle Aspekte der Wildnis einzulassen wurden nochmals gelobt.
Ranger D. Minio kann man von unserer Seite für sein geduldiges, abwartendes Erklären - an richtiger Stelle aber dann auch führende Leitung nur im Namen aller 28 Teilnehmer des Tages DANKEN – es war ein Genuss. Alle haben viel gelernt und wollen im Herbst unbedingt wiederkommen. Denn ein Tag ist einfach zu kurz um in einem annähernd vollständigen Mix die Wildnis zu „leben“, zu „erforschen“, zu „gestalten“ und „wahrzunehmen“!




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