Schülerakademie 2018: „Lernen in den Ferien?“

5. September 2018 11:55

Wie in jedem Jahr fanden auch in den Sommerferien 2018 die Deutschen Schülerakademien bundesweit statt. Was ist das überhaupt? Diese Einrichtung fördert besonders begabte und engagierte Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 10 und 11 während der Sommerferien in solchen Akademien, welche in ganz Deutschland verteilt sind. Dort haben die Teilnehmer die Chance, 16 Tage lang in den angebotenen Kursen tiefere Einblicke unter anderem in Bereiche der Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften und Kunst zu erhalten. Dieses Zusammentreffen unterschiedlicher Talente und Persönlichkeiten schafft einen optimalen Raum für die Entwicklung engagierter Schülerinnen und Schüler.

„Warum sollte man die Ferien mit Lernen verbringen?“, fragt sich jetzt wohl der ein oder andere. Dank der guten Erfahrungen, die ich schon 2016 als Teilnehmer einer Juniorakademie gesammelt hatte, hat mich die Schülerakademie nicht abgeschreckt. Ich habe mich sogar sehr gefreut, als mich Herr Wiernicki-Krips deswegen angesprochen hat, und stellte zunächst bei der Schule einen Antrag auf Nominierung. Da diese Einrichtung jedoch zu wenig Angebot für alle von Schulen nominierten Schülerinnen und Schüler bietet, muss man sich zusätzlich für den gewünschten Kursplatz bei der Akademie bewerben. Ich habe mich für den Kurs „Physik der Information“ entschieden, welcher sich unter anderem mit der Informationstheorie, Thermodynamik und neuronalen Netzen befasst, und wurde glücklicherweise angenommen. 

Als Vorbereitung auf den Kurs ist generell ein Referat über ein selbst ausgewähltes Thema des Kurses vorzubereiten, welches dann innerhalb der Akademiezeit vorgestellt wird. In unserem Kurs wurde das Referat jedoch durch Vorbereitungsaufgaben ersetzt, damit wir gut auf den Kurs vorbereitet waren. Lang erwartet traf ich letztendlich in der Europäischen Schule Waldenburg (Sachsen), dem Standort der Akademie, ein und lernte bei einer kleinen Erkundungsrallye die ersten Teilnehmer kennen. Unsere Kursleiter stellten sich später nach der Eröffnungsfeier dem jeweiligen Kurs vor. In den Tagen darauf wiederholten wir die Hauptbestandteile der klassischen Mechanik und Stochastik, um letztendlich die Grundbausteine der Informationstheorie zu bilden. 

Darauf aufbauend haben wir uns unter anderem damit beschäftigt, wie die unvoreingenommenste Verteilung der Wahrscheinlichkeiten bei einem gezinkten Würfel aussieht (Inferenzproblem), wobei wir auf den Begriff der Entropie gekommen sind. Mit diesem Prinzip zur Berechnung der unvoreingenommensten Verteilung konnten wir später im Bereich der Thermodynamik die exakte Verteilung der Energie auf Teilchenebene berechnen. Abschließend haben wir uns gruppenweise mit neuronalen Netzen auseinandergesetzt, wobei wir zum Beispiel herausgefunden haben, dass ein Hopfield-Netz (ein theoretisch angelegtes neuronales Netz) erstaunlich viele Gemeinsamkeiten mit einem Magneten aufweist.

Aber natürlich besteht der Alltag eines Akademieteilnehmers nicht nur aus sturem Lernen. Die freie Zeit zwischen den Kursphasen, die morgens und nachmittags stattfanden, wurde mit sogenannten kursübergreifenden Angeboten gefüllt. Darunter waren zum Beispiel unzählige Sprachkurse, Gesellschaftsspiele, Akrobatik- und Tanzkurse und spezielle Veranstaltungen. Diese küAs wurden teilweise von der Akademieleitung, aber größtenteils von den Teilnehmern organisiert. Zu den großen Highlights der Akademie zählten das große Konzert in der Waldenburger St. Bartholomäuskirche, wozu auch die Öffentlichkeit eingeladen wurde, und das interne Sportturnier zwischen allen Kursen und der Akademie- und Kursleitung.

Damit all das Wissen und die tollen Erinnerungen nicht ein Jahr nach der Akademie aus unseren Köpfen wieder verschwinden, war es Pflicht, dass jeder Kursteilnehmer einen Teil des Kurses dokumentiert. Ich habe mich zum Beispiel dafür entschieden, etwas über das thermodynamische Gleichgewicht und Legendre-Transformationen zu schreiben. Darüber hinaus konnte man freiwillig auch noch küAs dokumentieren, wie zum Beispiel das große Sportturnier. All diese Dokumentationen werden dann zu einer großen Dokumentation über die Schülerakademie Waldenburg 2018 zusammengefasst.

Insgesamt hat mir die Schülerakademie sehr gut gefallen. Was bei einer solchen Akademie vor allem heraussticht, ist die besondere Arbeits- und Lernatmosphäre, welche sich stark von denen der Schule unterscheidet. Was mich sehr fasziniert hat, waren die außergewöhnlichen Persönlichkeiten der Teilnehmer und der Kursleitungen, welche unterschiedlicher nicht hätten sein können. Jedem, der besonderes Interesse an Natur- oder Geisteswissenschaften zeigt, würde ich die Schülerakademie besonders weiterempfehlen.

Luis Hourtz (Q1)